15
Jan

Chronik eines angekündigten Freitodes 4

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Teil 4 Organisiertes Sterben
Walter Gensch durchschaute mich und lehnte meinen Vorschlag ab. Er tat das sogar mit einem verschmitzten Lächeln, wie ich es schon lange nicht mehr bei ihm gesehen hatte und meinte: „Guter Versuch.“
Er war jetzt entschlossen zu sterben. Kurz vor Weihnachten 2008 eröffnete er mir, dass er alles Nötige in die Wege geleitet habe. Er käme nur noch einmal, um sich von mir zu verabschieden. Er dankte mir für die Fürsorge und für die jahrelange Begleitung, auch im Namen seiner Ehefrau. Ein paar Tränen liefen ihm übers Gesicht, aber er wischte sie schnell beiseite und richtete sich auf.
Ich schluckte und wollte Näheres wissen. Er erzählte mir von einem Schweizer Unternehmen, das sich rührend um Menschen wie ihn kümmerte, für die sonst niemand bereit war, etwas zu tun. In der Schweiz würde er eine Spritze bekommen und die würde ihn endlich sterben lassen. moreweiterlesen…

11
Jan

Chronik eines angekündigten Freitodes 3

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Teil 3 Der Suizidversuch
(Teil 1 bitte hier klicken, Teil 2 hier)
Ich hatte Walter Gensch ein Notrufsystem aufschwatzen können, bei dem er sich jeden Morgen telefonisch zu melden hatte. Rief er nicht an, fuhr jemand vom ambulanten Pflegedienst zu ihm und öffnete mit einem zu diesem Zweck deponierten Schlüssel, seine Wohnung und sah nach ihm.
So wurde Walter Gensch gefunden. Er hatte etwa dreißig Schlaftabletten auf einmal genommen, nicht ahnend, dass ich ihm eine Medizin verschrieben hatte, mit der es praktisch nicht möglich war, sich selbst zu töten. Dazu hatte er selbst den Zeitpunkt der Einnahme mit sieben Uhr morgens gewählt, um acht Uhr war sein Kontrollanruf fällig. Wollte Walter Gensch wirklich nicht mehr leben oder wollte er demonstrieren wie schlecht es ihm ging? Die Frage war für mich als Hausarzt schwer zu beantworten, spielte aber zunächst keine wichtige Rolle. moreweiterlesen…

5
Jan

Chronik eines angekündigten Freitodes 2

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Teil 2 Der Anfang vom Ende
(wenn Sie Teil 1 Vorbemerkung lesen möchten, bitte hier klicken)
Walter Gensch war 81 Jahre alt als er im Frühjahr 2006 seine Frau verlor. Das Ehepaar Gensch lebte bis dahin in der typisch symbiotischen Gemeinschaft vieler älterer Leute, die im Alter noch ihren Wohnort wechseln. Sie waren auf sich allein gestellt und ließen selbst wenig Kontakt nach außen zu. Zudem hatten sie ständig das Gefühl als Zugereiste angesehen zu werden, die nicht in die Kleinstadt gehörten, in der sie nun lebten. Obwohl sie seit 15 Jahren dort wohnten.
Andererseits waren sie sich selbst genug. Alle ehemaligen Freunde und Bekannten lebten in Hamburg und waren, wie sie selbst, nicht mehr mobil genug, sich noch gegenseitig zu besuchen, oder es fehlte am nötigen Elan. Die beiden Töchter des Ehepaares Gensch lebten in eigenen Familien, jeweils über dreihundert Kilometer entfernt. Sie besuchten ihre Eltern mit einer Frequenz von etwa sechs Besuchen im Jahr, was immer mit zeitlichem und organisatorischem Aufwand verbunden war. moreweiterlesen…

3
Jan

Neue Geschichte um Dr. med. Kunze Ende Januar

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Ab dem Neuen Jahr erscheinen die Geschichten um Dr. med. Kunze immer am Monatsende. Die nächste Episode um den Hausarzt wird am 28. Januar 2010 veröffentlicht.
In der 19. Ausgabe der Kolumne erhält der Leser wieder ausführlich Einblick in den Ablauf des Praxisalltags eines Hausarztes. Darüber hinaus denkt Dr. med. Anselm Kunze über die Art und Weise wie Medizin heutzutage läuft so intensiv nach, dass der Blogbesucher seine Gedanken verfolgen kann.
Schauen Sie also ab dem 28. Januar 2010 in den Kopf eines Hausarztes, mit der neuen Kolumne um den Allgemeinmediziner Dr. med. Anselm Kunze.

Der andere Hausarzt wünscht all seinen Besuchern ein frohes und gesundes Neues Jahr. Gleichzeitig bedanke ich mich für die regen Besuche (weit über 30.000) und die überwiegend anregenden und wohlmeinenden Kommentare.

30
Dez

Chronik eines angekündigten Freitodes 1

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Die Artikelserie Chronik eines angekündigten Freitodes beschäftigt sich mit dem Thema Selbstbestimmtes Sterben im Hochalter.

Der andere Hausarzt hat sich mit diesem schwierigen Kapitel der Medizin in den letzten Wochen und Monaten intensiv befassen müssen. Der wahre Fall eines Patienten hat aufgezeigt, wie weit Theorie und Praxis voneinander entfernt sein können und welche Schwierigkeiten diese Entfernung birgt. Der Fall ist so interessant und so erschütternd zugleich, dass ich ihn ausführlich schildere. Die realen Personen werden selbstverständlich durch Änderung der Charaktere und der Namen geschützt. Die Geschichte selbst verliert dadurch nicht an Wahrheit. moreweiterlesen…

22
Dez

Neue Diskussion um Numerus clausus

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In der Öffentlichkeit gibt es wiedermal eine Diskussion um den Numerus clausus im Zusammenhang mit dem Medizinstudium. Endlich, kann man da nur sagen. Denn: Ein Ausnahme-Notendurchschnitt im Abitur macht noch lange keinen guten Arzt. Leider dauert diese Diskussion, mehr oder weniger intensiv, schon so lange an wie es den NC gibt.
Allerdings: So sehr ich für die Abschaffung des NC war und bin, so sehr bin ich auch davon überzeugt, dass der Wegfall des NC nicht die Probleme um den Ärztemangel in Deutschland löst. Ein eben approbierter Jungarzt entscheidet ja nicht vor seinem Studium schon, ob er danach ins Ausland gehen wird. Um junge Leute, die in Deutschland Medizin studiert haben, auch in deutschen Krankenhäusern und Praxen zu halten, braucht es mehr als die Abschaffung des NC. Dieses wäre nur ein erster Schritt, der allerdings, wenn er richtig gegangen würde, positive Wirkung auf die Jungmediziner in Deutschland haben könnte. Mein Vorschlag wäre deswegen ein moreweiterlesen…

15
Dez

Antibiotika helfen nicht gegen Schweinegrippe…

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…und andere Virusinfekte. Es ist völlig sinnlos, die zur Zeit kursierenden Erkältungskrankheiten mit einem Antibiotikum heilen zu wollen. Es handelt sich um Virusinfekte und Antibiotika helfen nicht gegen Viren. Sie kürzen deswegen auch die Krankheitsdauer nicht ab. Im Gegenteil - Penicillin und Co. können sogar zur weiteren Verschlechterung führen, weil sie Mund- und Darmflora zerstören.
Es ist ein Trugschluss zu glauben, es gäbe auch nur ein einziges ursächliches Medikament gegen all die jährlich wiederkehrenden grippalen Infekte. Es gibt keins! Was es gibt, sind allesamt Arzneien zur Linderung der Symptome, wie Kopfschmerz, Fieber, Husten, verstopfte Nase und anderes mehr. Mehr kann ein Hausarzt auf diesem Gebiet nicht tun. Die beste Therapie eines grippeähnlichen Infekts oder einer echten Grippe, der „normalen“ oder der Schweinegrippe, ist immer noch, sich Ruhe zu gönnen. Viel schlafen, viel trinken und, so Appetit vorhanden, vitaminreiche Kost essen sind wichtige Hilfen für das Immunsystem. Eine echte, ursächliche, hausärztliche Therapie wäre demzufolge, eine Arbeitsunfähigkeit für Arbeitnehmer auszustellen. moreweiterlesen…

8
Dez

Dr. Kunze hört (nicht) auf 18

categories Kolumne des Monats     comments 1 Kommentar

Dezember 2009
Es weihnachtet sehr
Helmut Grabert saß seinem Hausarzt gegenüber und bat verschämt lächelnd um ein Weihnachtsgeschenk. Er zwinkerte dem Arzt zu, so wollte er Unsicherheit überspielen. Der Patient rutschte unbehaglich auf der Sitzfläche seines Stuhls, als sei sie ihm zu heiß. Dr. med. Anselm Kunze begriff sofort, was Herr Grabert meinte und wunderte sich, warum ihm das Thema nach all den Jahren noch immer peinlich war. Der Hausarzt nickte, lächelte wissend, erhob sich und verließ das Sprechzimmer.
Wenige Augenblicke später kehrte Dr. med. Anselm Kunze zurück und überreichte Alfred Grabert eine Packung Vitala. Der Patient bedankte sich artig und sprach leise davon, dass er sich bei anderer Gelegenheit revanchieren würde. Der Hausarzt wehrte das ab, wusste aber andererseits die Erdbeermarmelade und das Quittengelee der Graberts zu schätzen. Eine kleine Musterpackung Vitala - vier Tabletten, die das Eheleben seines Patienten bereicherten, wobei Hausarzt Dr. Kunze sich das im Einzelnen nicht vorstellen wollte. Hermine Grabert wog mehr als zwei Zentner und ihr Gatte sah aus, als wöge er nicht einmal einen. Beide waren über Achtzig. Frau Grabert litt an Rheuma und ihr Mann an schwerer chronischer Bronchitis, jeder Atemzug ein Pfiff, trotz starker Medikamente. Aber die Liebe fand ihren Weg – zu jeder Zeit und in jedem Alter. Wer wusste das besser als ein erfahrener Hausarzt. moreweiterlesen…

1
Dez

Weihnachtszeit bei Dr. med. Kunze

categories Aktuelles     comments Diesen Beitrag kommentieren

Am 8. Dezember erscheint die Weihnachtsausgabe von Dr. Kunze hört (nicht) auf. Auch an Dr. med. Anselm Kunzes Praxis geht die Advenszeit nicht spurlos vorüber. Weihnachtsschmuck, Geschenke all das spielt beim Hausarzt eine Rolle in dieser Zeit. Wer möchte kann in der 18. Folge Es weihnachtet sehr ein wenig Kerzenduft schnuppern und lesen, dass nicht jeder von der besinnlichen Stimmung des Hausarztes profitiert.

Die 17 bisher erschienen Geschichten aus der Reihe sind unter dem Thema Kolumne des Monats nachzulesen.

26
Nov

Das akute Koronarsyndrom Teil 3

categories medizinisches Wissen für Jedermann     comments Diesen Beitrag kommentieren

Möglichkeiten der Therapie
(Die beste Therapie ist immer die Vorsorge, das gilt auch und besonders für die Koronarstenose (Verengung der Herzkranz-Gefäße). Hierzu verweise ich auf meine Artikelreihe Heilkraft der Bewegung, insbesondere Teil 7 - 9.)
Im Falle des akuten Koronarsyndroms gibt es mehrere Therapiemöglichkeiten, die hier nicht vollständig aufgeführt werden sollen. Erklärt werden die wichtigsten Begriffe, mit denen häufig auch der Laie zu tun hat, vor allem der betroffene Laie. Auch in der einzelnen Erklärung besteht kein Anspruch auf Vollständigkeit, wichtiger ist die Verständlichkeit. Ärzte verlieren sich gern im fachchinesischen Detail, was beim Patienten zur Verwirrung führt. Zur Erklärung dient der folgende Überblick: moreweiterlesen…

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