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28 Feb |
Dr. Kunze hört (nicht) auf 20 Kolumne des Monats
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Februar 2010
Dr. Kunze ist krank
Hausarzt Dr. med. Anselm Kunze erwachte, noch bevor der Wecker klingelte. Sein Kopf schmerzte, er bekam keine Luft durch die Nase, und er fror. Es war halb sechs und noch eine knappe halbe Stunde, bis der Signalton erklang. Er stand auf. Er musste aufs Klo, brauchte eine Aspirin und etwas für die Nase. Im Badezimmer fand er die Tabletten auf Anhieb, aber das Nasenspray war nicht da. Anselm Kunze fluchte leise und versuchte eine Nasenspülung mit Leitungswasser. Aber es funktionierte nicht. Wie sollte er Wasser durch die Nase einziehen, wenn schon keine Luft durchging? Er ging zurück ins Schlafzimmer, legte sich wieder ins Bett und hoffte, dass die Medizin bald wirkte. Er atmete mit offenem Mund, er zitterte am ganzen Leib und seine Rachenschleimhaut trocknete aus. weiterlesen
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28 Jan |
Dr. Kunze hört (nicht) auf 19 Kolumne des Monats
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Januar 2010
Praxisalltag und Weltanschauung
Hausarzt Dr. Kunze ging im Verbandsraum einer seiner „Lieblingsbeschäftigungen“ nach: Er pulte einen Ohrstecker aus dem Ohrläppchen eines dreijährigen Mädchens. Das Kind brüllte wie am Spieß. Kein Wunder. Der rückwärtige Verschluss war vollkommen unter der Haut verschwunden. Entsprechend musste Dr. Kunze die eitrige Wunde mit der Pinzette ein wenig spreizen und gleichzeitig von vorn gegen das Ohrläppchen drücken. Christine hielt den Kopf und die Oberarme des Mädchens, die Mutter die Beine, so gut sie konnte.
Der Clip quoll aus dem Eiter hervor. Mit einer Fremdkörperzange zog der Arzt ihn ab. Danach ließ sich der Ohrstecker auf der Vorderseite aus dem Ohrläppchen ziehen. Es war geschafft. Das kleine Mädchen wollte weg von dem bösen Mann, in die Arme der Mutter. Die blickte ihrerseits nicht besonders freundlich. Mitfühlend streichelte sie über den Kopf ihres Kindes, drückte es an sich und flüsterte mit kaum verborgenem Vorwurf: weiterlesen
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8 Dez |
Dr. Kunze hört (nicht) auf 18 Kolumne des Monats
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Dezember 2009
Es weihnachtet sehr
Helmut Grabert saß seinem Hausarzt gegenüber und bat verschämt lächelnd um ein Weihnachtsgeschenk. Er zwinkerte dem Arzt zu, so wollte er Unsicherheit überspielen. Der Patient rutschte unbehaglich auf der Sitzfläche seines Stuhls, als sei sie ihm zu heiß. Dr. med. Anselm Kunze begriff sofort, was Herr Grabert meinte und wunderte sich, warum ihm das Thema nach all den Jahren noch immer peinlich war. Der Hausarzt nickte, lächelte wissend, erhob sich und verließ das Sprechzimmer.
Wenige Augenblicke später kehrte Dr. med. Anselm Kunze zurück und überreichte Alfred Grabert eine Packung Vitala. Der Patient bedankte sich artig und sprach leise davon, dass er sich bei anderer Gelegenheit revanchieren würde. Der Hausarzt wehrte das ab, wusste aber andererseits die Erdbeermarmelade und das Quittengelee der Graberts zu schätzen. Eine kleine Musterpackung Vitala - vier Tabletten, die das Eheleben seines Patienten bereicherten, wobei Hausarzt Dr. Kunze sich das im Einzelnen nicht vorstellen wollte. Hermine Grabert wog mehr als zwei Zentner und ihr Gatte sah aus, als wöge er nicht einmal einen. Beide waren über Achtzig. Frau Grabert litt an Rheuma und ihr Mann an schwerer chronischer Bronchitis, jeder Atemzug ein Pfiff, trotz starker Medikamente. Aber die Liebe fand ihren Weg – zu jeder Zeit und in jedem Alter. Wer wusste das besser als ein erfahrener Hausarzt. weiterlesen
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6 Nov |
Dr. Kunze hört (nicht) auf 17 Kolumne des Monats
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November 2009
(Un)verzichtbare Formalitäten
Dr. Kunze stellte zum wiederholten Mal fest, dass er immer häufiger Dinge tat, die er niemals hatte tun wollen. Zum Beispiel füllte er das rosafarbene Formular aus, von dem eines auch jetzt wieder vor ihm auf dem Schreibtisch lag. Dieses scheußliche Stück Papier blickte ihn geradezu herausfordernd an. Es schien darauf zu warten, dass er sich den vorgedruckten Kästchen widmete. Aber eine innere Stimme befahl ihm, diesen Nonsens zu unterlassen. Du sollst keine unsinnigen Fragen beantworten und unsinnige Anträge stellen, wisperte sie. Was seine innere Stimme im Einzelnen zu derlei Formularwesen zu sagen hatte, war kein Schriftdeutsch. weiterlesen
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31 Okt |
Im November kämpft Dr. Kunze mit der Bürokratie Kolumne des Monats
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In der Novemberausgabe von Dr. Kunze hört (nicht) auf hat der Hausarzt wiedermal mit dem deutschen Formular(un)wesen zu kämpfen. Eine Tatsache, die jeden Mediziner tagtäglich beschäftigt und gelegentlich zur Verzweiflung treibt. Das Leben könnte so einfach sein. Aber die Formularwut der Krankenkassen, Rentenversicherer und anderer Ämter oder amtsähnlicher Institutionen ist ungebremst. Sie ist übrigens ein nicht zu unterschätzender Faktor, wenn es darum geht, dass es Privatpatienten bei den Ärzten leichter haben. Sicher geht es auch um Geld, aber nicht nur. Das alltägliche Leben eines Hausarztes von Kassenpatienten ist gespickt mit Formularen, dreißig, vierzig verschiedene und mehr, mal zum Durchschreiben, mal nicht, mal DIN A4, mal DIN A5 oder DIN A6. Beim Privatpatienten kommt man meist mit einem hin - mit dem Privatrezept. Was darüber hinaus geht, ist in der Regel mit einem formlosen Attest getan.
Lesen Sie ab dem 6. November 2009 Dr. med. Anselm Kunzes Gedanken und Gefühle dazu .
Die 16 bisher erschienen Geschichten aus der Reihe sind unter dem Thema Kolumne des Monatsnachzulesen.
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8 Okt |
Dr. Kunze hört (nicht) auf 16 Kolumne des Monats
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Zuletzt waren Leser und Schreiber während Hausarzt Dr. Kunzes Einkaufstour unterbrochen worden. Ihnen erging es damit ähnlich wie dem Doktor selbst.
Hier nun der Rest der Geschichte, die ihren Ursprung in Dr. Kunze ganz privat nahm und mit Dr. Kunze kauft ein fortgesetzt wurde. Der Leser muss nicht jede dieser drei Episoden kennen, jede einzelne steht für sich. Aber es gibt da schon ein paar lesenswerte Einzelheiten … Nun denn, zum Einstieg seien ein paar Zeilen der Vorgeschichte wiederholt.
Oktober 2009
Dr. Kunze kauft weiter ein und macht sich Gedanken
Anselm Kunze hatte den Wurst- und Schinkenladen fast erreicht, als ein Elternpaar mit einem kleinen Jungen an ihm vorbeistürmte. Das Kind schrie auf dem Arm des Vaters. Noch bevor der Hausarzt reagieren konnte, rief eine ältere Frau den dreien hinterher:
„Jens, Ute, bleibt stehen. Hier ist Dr. Kunze, der kann vielleicht helfen.“
Die ältere Frau, seine Patientin Borger, erklärte, der Junge sei ihr Enkel. Ihre Kinder seien mit ihm zu Besuch und… Bevor sie weiterreden konnte, standen die Eltern mit dem weinenden kleinen Tommi vor Dr. Kunze und berichteten, was geschehen war. Bis vor wenigen Minuten hatten sie den Kleinen an den Händen gefasst und in die Luft geschwungen. Plötzlich habe er furchtbar geschrien und geweint. Seitdem war er nicht mehr zu beruhigen, hielt sich den rechten Arm und schrie nur immer lauter, wenn jemand seine Hand oder seinen Arm berührte.
Nach dieser Vorgeschichte bedurfte es beinahe keiner Untersuchung mehr. Der Fall war für jeden halbwegs erfahrenen Arzt eindeutig. Ein klassischer Chassignac. Pronation doloreuse. Alles klar. Eine Verrenkung des Speichenköpfchens. weiterlesen
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3 Okt |
Dr. med. Kunze kauft weiter ein Aktuelles, Kolumne des Monats
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Am 8. Oktober 2009 erscheint eine neue Kolumne aus der Reihe “Dr. Kunze hört (nicht) auf”.
In dieser Episode bringt der Hausarzt seine kleine Einkauftour zu Ende, die er in der letzten Geschichte begonnen hat. Hausarzt wie Leser waren vor dem Gang zum Metzger unterbrochen worden. Wie es im Alltagsleben eines Hausarztes so passiert, wurde er auf dem Weg in das Geschäft durch einen Notfall aufgehalten. Wie der unverhoffte medizinische Einsatz und der Rest des hausärztlichen Einkaufs verlaufen ist, erfährt der Leser in “Dr. Kunze kauft weiter ein und macht sich Gedanken”.
Die 15 bisher erschienen Geschichten aus der Reihe sind unter dem Thema Kolumne des Monats nachzulesen.Â
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7 Sep |
Dr. Kunze hört (nicht) auf 15 Kolumne des Monats
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Der Leser der letzten Kolumne „Dr. Kunze ganz privat“ wird sich erinnern, dass der Hausarzt für einen kleinen Einkaufsauftrag seiner am Fuß verletzten Ehefrau über zwei Stunden benötigte. In der heutigen Geschichte wird – wie angekündigt – der Grund für dieses Schneckentempo nachgereicht.
September 2009
Dr. Kunze kauft ein
Als Dr. Kunze den Käseladen betrat, wäre er am liebsten sofort auf dem Absatz umgekehrt. Ausgerechnet Frau Pfaff. Erst vor wenigen Tagen war die letzte Gewichtskontrolle wiedermal desaströs ausgefallen. Was würde er sich in den nächsten Minuten alles anhören müssen – wenn es Minuten blieben. Der Doktor ahnte es: Der sechzig-prozentige Brie, der für sie abgewogen wurde, war ausschließlich für den Besuch gedacht, den Vollfett-Camembert und den Streichkäse auf Mascarpone-Basis sollte Frau Pfaff gewiss der Nachbarin mitbringen und die anderen fetten Kleinigkeiten waren nicht der Rede wert. Aber bei derlei Kommentaren zum eigenen Einkauf würde es nicht bleiben. Sicher würde Frau Pfaff, nach abgeschlossenem Einkauf, noch dieses und jenes in den Auslagen des Spezialitätenladens zu betrachten haben. Das Warenangebot des kleinen Ladens würde sie in diesem Falle weniger interessieren, eher die Besorgungen des Hausarztes. So ein hausärztlicher Einkauf war doch zu spannend und bot eine wunderbare Neuigkeit für das nächste Kaffeekränzchen! Und ganz bestimmt, da war sich Anselm Kunze sicher, würde Frau Pfaff die Chance nutzen, um die eine oder andere Befindlichkeitsstörung anzusprechen. In so einem heimeligen Geschäft ging das ja ganz ohne Wartezeit. weiterlesen
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6 Aug |
Dr. Kunze hört (nicht) auf 14 Kolumne des Monats
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August 2009
Hausarzt Dr. Kunze ganz privat
Mitleidend betrachtete Hausarzt Dr. med. Anselm Kunze seine Frau. Versonnen streichelte er ihr über die blau verfärbten Zehen. Dann, als wollte er sich selbst aus einer Trance wecken, klopfte er ihr vorsichtig auf den Gipsverband und sagte:
„Das wird schon wieder. Sei froh, dass es der vierte Mittelfußknochen ist und nicht der fünfte. Das wäre schlimmer, und es würde länger dauern, bis du den Fuß wieder belasten könntest.“
„Tröstest du so deine Patienten auch? – ‚Das wird schon wieder!’ Oder hast du noch eine andere Empfehlung? Vielleicht etwas Medizinisches? Vielleicht etwas gegen die Schmerzen?“
Frau Kunze war zuletzt etwas ungnädig. Sie war vier Tage zuvor die Kellertreppe hinuntergestürzt. Der Unfall war erstaunlich glimpflich verlaufen, bis eben auf den vierten Mittelfußknochen links, der war gebrochen. Der Bruch stand gut, trotzdem brauchte der Fuß Schonung. Ruhe und Geduld waren aber nicht gerade die Stärken seiner Gattin.
Anselm Kunze brach eine Fertigspritze aus der Verpackung, zog den Gummipfropfen von der Kanüle und hielt die Spritze gegen das Licht. weiterlesen
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6 Jul |
Dr. Kunze hört (nicht) auf 13 Kolumne des Monats
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Juli 2009
Impfungen
Hausarzt Dr. med. Anselm Kunze sah die zwölfjährigen Zwillingsmädchen bauchfrei und mit einem sonderbaren Lichtreflex auf ihren Schneidezähnen vor sich sitzen und wusste wieder einmal, dass er hoffnungslos alt wurde. Mit über sechzig war er anscheinend in seiner Praxis ungefähr so up to date wie Huflattichtee als Mittel gegen Husten. Staubte es inzwischen aus seinem weißen Kittel?
Chayenne (Tschei-änn) und Jaqueline (sagen Sie ruhig Djäckie) saßen mit ihrer Mutter vor ihm, und es ging wieder einmal um das Thema Impfschutz. Die beiden Demnächst-Teenager hatten zusammen schon rund achtzig Impfungen hinter sich. Dr. Kunze hatte nachgezählt. Es waren nicht achtzig Injektionen gewesen, wegen der heutzutage üblichen Mehrfachimpfungen, aber das spielte keine Rolle. Achtzig Impfungen! Und er war derjenige gewesen, der diese Impfungen verabreicht hatte. War das richtig?
Und worum ging es heute? weiterlesen




