Kategorie-Archiv: Nachrichten

Schavans “respektvoller” Rücktritt

Ungefähr 25.000 Doktortitel werden pro Jahr in Deutschland verliehen. Allein die Masse zeigt, dass das Verfahren wenig mit echter wissenschaftlicher Arbeit und der Ermittlung von neuen Erkenntnissen zu tun haben kann. Dies gilt besonders für die Titelvergabe bei den Medizinern, aber offenbar auch in vielen anderen Fakultäten. Unsere Politiker sind lediglich die, die erwischt werden, weil sie im Fokus der Öffentlichkeit stehen. Was ihr betrügerisches Verhalten nicht schmälert.

Das Thema Titel oder kein Titel finde ich persönlich relativ unwichtig. Der Kampf um Titel hat mich zu keiner Zeit interessiert. Was ich wirklich ärgerlich finde, sind Aussagen wie die von Frau Schavan zum Fall Guttenberg:

„Ich schäme mich nicht nur heimlich“

So lautete ihr Statement zum Betrug des Doppel-Titelträgers (Adel und Doktor). Wenn ihre Dissertation so offensichtlich Betrug war, dass die Uni Düsseldorf sich gezwungen sah zu handeln, wird Frau Schavan auch wissen, was sie damals getan hat. Sich im Wissen um das eigene Fehlverhalten ohne Not so weit aus dem Fenster zu lehnen, ist meines Erachtens das eigentliche Problem. Gut, dass sie angesichts dieser Turnübung Übergewicht bekommen hat und auf dem Pflaster gelandet ist.

Auf ähnlich hohem Ross saß ja unser kurzfristiger Bundespräsident, der ungefragt überall Duftmarken seines hohen moralischen Anspruch hinterließ. Das ist ein ausgesprochen ärgerliches Verhalten unser gewählten Volksvertreter und wir können alle zusammen nur ahnen, was wir nicht wissen.

Die verkannte Weihnachtskatastrophe

Nach New York zu fahren und zu erleben, dass der Marathon, für den man hart trainiert und gespart hat, wegen eines Wirbelsturmes ausfällt, ist ausgesprochen ärgerlich. Für die potentiellen Teilnehmer muss das ein ähnliches Gefühl gewesen sein, wie seinerzeit für die potentiellen Olympioniken im Jahre 1980. Die hatten trainiert, ihr Leben umgestellt und dann marschiert die damalige Sowjetunion in Afghanistan ein. Die Konsequenz: Die westliche Welt boykottiert die Olympischen Spiele in Moskau. Ein hartes Los für alle betroffenen Sportler.

Aber diesen Weihnachten schlug das Schicksal noch härter zu, so könnte man jedenfalls meinen, wenn man dieser Tage die Zeitungen aufschlägt. Dort stehen sie geschrieben, die Berichte von der wahren Katastrophe:

Auf der Weihnachtskreuzfahrt der „Queen Mary 2“ hat der Durchfallvirus zugeschlagen und auf dem Vergnügungsschiff „Emerald Princess“ auch.

Herrje, wie schlimm ist das denn?

Da spart man monatelang, um wirklich einmal im Leben in der Weihnachtszeit so richtig schön zu essen und dann so etwas:

Das Noro-Virus grassiert. Insgesamt 400 Passagiere leiden an Brech-Durchfall.

www.der-andere-hausarzt.de wollte Genaueres wissen und hat sofort Kontakt zu einem der übergewichtigen Passagiere aufgenommen. Das ganze Leid von Herrn X. aus U. zeigt sich schon im ersten Satz:

„Nicht genug damit, dass man auf der Toilette nicht weiß, was man zuerst und zuletzt tun soll, nein, man hat ja auch keinen Appetit.“

www.der-andere-hausarzt.de hakt nach.

„Und was war das Schlimmste für Sie?“

„Das man es immer wieder versucht. Oben in den Sälen stehen die herrlichsten Buffets, die man sich vorstellen kann. Man rennt rauf, sieht die Herrlichkeiten da stehen, freut sich kurz, dann setzt der Würgereiz ein und muss sofort wieder treppab. Du kannst dich ja nicht einfach über die Reling hängen, weil du nicht weiß, was hinten passiert. Die Fahrstühle sind natürlich alle blockiert. Also schnell zu Fuß. Versuchen Sie mal die Treppen hinabzuspringen mit einer Hand vor dem Mund und mit zusammengekniffenen Hinternbacken.“

www.der-andere-hausarzt.de: Sie sind jetzt seit zwei Tagen zurück und wieder gesund. Wie sieht die Welt jetzt für Sie aus?

„Ich stehe vor den Trümmern des Jahres 2012. Stellen Sie sich mal vor, ich buche die Kreuzfahrt, um wirklich einmal die Beine hochzulegen und nichts zu tun. Ich wollte mich nur bewegen, um das Buffet zu umrunden. Und was passiert? Ich renne auf dem Kahn hin und her, verbringe die meiste Zeit auf der Toilette und nehme auf einer Kreuzfahrt, auf einer Weihnachtskreuzfahrt, sechs Kilo ab. Das ist doch Wahnsinn oder?“

Herr X aus U schüttelt verzweifelt den Kopf, Tränen laufen ihm über das Doppelkinn.

Aber er ist noch nicht fertig. Er redet sich jetzt in Rage und www.der-andere-hausarzt.de ist froh, dass das Diktiergerät läuft, um keine der wertvollen Aussagen zu verpassen.

„Wissen Sie, was mich besonders ärgert an diesem Desaster? Jedes Jahr um diese Zeit wieder und wieder diese Geschichte vom ärmlichen Kind in der Krippe. Rauf und runter muss man sich das anhören, dass es kein Bett gibt, da unten in Bethlehem, außerdem nichts zu essen, keine anständige Kleidung und dieser ganze Mist. Aber wir Diarrhoeiker auf den Schiffen, wir haben richtig Kohle ausgegeben für Kabinen mit Kingsize-Betten, Essen und Trinken all-inklusive. Außerdem habe ich mir extra Shorts für die Karibik in Übergröße schneidern lassen, und dann wird man so krank. Das Geld ist futsch und kein Mensch interessiert sich dafür. Das ist bitter, ganz bitter. Schreiben Sie das ruhig.“

Solche Schicksale gibt es in diesen Tagen nun viele hundert Mal und in den Tageszeitungen stehen nicht mehr als ein paar dürre Zeilen auf der zweiten oder dritten Seite. Es ist, als wollte man diese Leute verspotten. Nicht zu fassen. Gut, dass es Blogger gibt.

 

Hier noch ein Fachbuchtipp zum Thema:

Lesen Sie das Kreuzfahrt-Tagebuch vom begnadeten US-Schriftsteller David Foster Wallace:

„Schrecklich amüsant – aber in Zukunft ohne mich“.

Es geht weiter!

Nach einer mehrmonatigen Blogpause geht es weiter auf www.der-andere-hausarzt.de. Ihre/Eure Kommentare, Anregungen und Nachfragen trotz meines langen Schweigens motivieren mich.

Wie bisher soll dieser Blog informieren, aufklären und unterhalten. Den Schwerpunkt werden in Zukunft aber Themen bilden, die den gesunden Menschenverstand in der Medizin betreffen. Das heißt, ich werde mich besonders um die Bereiche und Vorgänge in der Medizin kümmern, in denen es meiner Meinung nach an gesundem Menschenverstand mangelt oder umgekehrt, in denen dem Patienten mit Vernunft besser geholfen wäre als beispielsweise mit Tablette oder Skalpell.

Außerdem werde ich mich weiterhin vehement für den Fortbestand des Hausarztberufes einsetzen, und zwar in seiner modernen Variante als unverzichtbarer Manager der Patienten in Sachen Gesundheit und Krankheit und als Inhaber eines wirtschaftlichen Unternehmens, das auch für die Versorgung der Landbevölkerung zuständig ist.

Die beiden oben genannten Themen, Vernunft in der Medizin und der moderne Hausarzt, haben mich in den letzten Monaten beschäftigt und beschäftigen mich seit Langem. Wenn man, wie ich, in den nächsten Tagen sein 25-jähriges Hausarztjubiläum feiert, hat man eine lange Lehrzeit hinter sich gebracht, gerade wenn es um diese beiden Themen geht. Meine wichtigsten Erkenntnisse und Gedanken, dazu Anregungen für Patienten und Hausarztkollegen sollen in einem Sachbuch zusammengefasst werden, das bereits zu zwei Dritteln fertiggestellt ist. Natürlich werden die Leser von www.der-andere-hausarzt.de die ersten sein, die mehr erfahren, bzw. Sie, die Leser, werden diejenigen sein, die mir bei diesem Projekt helfen sollen, wenn Sie möchten. Dazu mehr in einem späteren Artikel auf dieser Seite.

Zweigpraxis auf dem Land – das erste Quartal ist vollbracht!

Seit Jahrzehnten betreiben wir eine Hausarztpraxis in einer Kleinstadt mit ländlicher Umgebung, die ständig gewachsen ist. Seit dem 1. Juli diesen Jahres ist eine Zweigpraxis auf dem Land dazu gekommen. Wir sind sieben Ärzte, fünf Teilhaber, ein zukünftiger Teilhaber, dazu ein Weiterbildungsassistent. Drei Ärzte versorgen, neben ihrer Tätigkeit in der Hauptpraxis, die Praxis auf dem Land. Der Assistenzarzt ist hier und da im Einsatz.

Für die Patienten der Landarztpraxis gab es mit dem 1. Juli einiges zu verkraften:

  1. der langjährige Hausarzt (über 30 Jahre) hat sich weitgehend zurückgezogen. Viele Patienten vermissen ihn, zumal es sich in diesem Falle um eine Seele von einem Menschen handelt. Ein Arzt, der lieber sich ausbeutet als einem Patienten einen Wunsch abzuschlagen. Das hat sich geändert. Nicht, dass wir Unmenschen wären, aber es läuft halt anders, und wir alle wissen, wie es mit dem „anders“ ist, wenn etwas 30 Jahre lang gewohnheitsmäßig abgelaufen ist
  2. die neue Praxisführung arbeitet, wenn irgend möglich organisiert, das heißt mit einer Terminsprechstunde. Selbst die meisten Notfälle lassen sich großteils organisieren. Die Ära, in der Patientenwunsch an den Hausarzt und dessen Erfüllung zeitlich nahezu eine Einheit sind, sind vorbei (vom echten Notfall abgesehen)
  3. Rezepte und Überweisungen sollen neuerdings möglichst vorbestellt werden, dafür wurde extra eine Telefonnummer eingerichtet. (Was für ein neumodischer Kram, der sich als gar nicht so schlecht herausstellt, weil man sich nicht mehr in das Getümmel am Tresen stürzen muss)
  4. überall stehen neuerdings Computer in der Praxis herum (Was sich als gar nicht so schlecht herausstellt, weil so alle Informationen überall zur Verfügung stehen. Auf diese Weise sind z. B. telefonische Kontakte oder Kontakte in der Sprechstunde auch möglich, obwohl die Praxis auf dem Land nicht geöffnet ist)
  5. immer ist ein anderer Arzt da. Was nur gefühlt so ist, da jeder unserer Ärzte auf dem Land bestimmte Sprechstunden anbietet, allerdings ist der Gegensatz zu vorher natürlich riesig
  6. früher war es schöner (ein gern in allen Lebenslagen ausgesprochenes Pauschalurteil). Nicht einmal im Wartezimmer kann man mehr in Ruhe sitzen und schnacken, weil man mit Termin so schnell dran ist

Drei, vier Wochen lang hatten wir mit reichlich Kommentaren, Beurteilungen und Verurteilungen zu kämpfen. Die negativen Stimmen waren allerdings nur gefühlt in der Mehrzahl, die absolut meisten Patienten sind sehr glücklich, dass es überhaupt weitergeht mit der ärztlichen Versorgung im Dorf und auf dem Land. Nur wissen wir alle, ganz besonders in einer Hausarztpraxis, wie einige wenige, die Stimmung drücken können. Aber Geduld lohnt sich, auch im Fall unserer Zweigpraxis.

Bereits jetzt, nach dem Abschluss des ersten Quartals, hat sich Vieles eingespielt. Die negativen Stimmen sind leise geworden, viele verstummt. Schneller als erwartet. Wir hatten uns ein Jahr Geduld verordnet, denn immerhin haben wir den Patienten tatsächlich einiges an Veränderungen zugemutet und tun es noch.

Aber wenn nicht jetzt die Regeln ändern, wann dann?

2. Platz bei den DocCheck Blog-Awards 2011

Die Schlacht ist geschlagen. Nach Platz drei im letzten Jahr, hat www.der-andere-hausarzt.de in diesem Jahr den 2. Platz erreicht. Sieger ist Pharmama aus der Schweiz. Ihre Stimmzahl war nicht zu toppen und als fleißige und kluge Bloggerin hat sie den Preis verdient.

Aber es gibt ein nächstes Mal und das Gesetz der Serie spricht für www.der-andere-hausarzt.de, denn nach drei kommt zwei und dann…?

DocCheck Blog Awards 2011

Wie im letzten Jahr stehen wieder die Wahlen zu den besten DocCheck Blogs an.

www.der-andere-hausarzt.de ist mit seinem Blog seit Anfang 2010 dabei und konnte gleich auf Anhieb auf dem 3. Platz landen (siehe Button links). Vielleicht ist so ein Erfolg wiederholbar. Hier geht’s zur Wahl. Ich freue mich über Ihre/eure Unterstützung.

Wer DocCheck noch nicht kennt, dem sei gesagt, dass es sich hier um eine seriöse Website um alle Themen der Medizin handelt. Unter DocCheck Load sind übrigens die Geschichten um Hausarzt Dr. Kunze als E-Book erschienen. Also, registrieren lassen (wer’s noch nicht ist) und wählen, am besten für www.der-andere-hausarzt.de :=).

Gruß

Der andere Hausarzt

Kassler im Angebot – billig und vollkommen schamlos

Von heute an bis Samstag gibt es bei REWE Kassler im Sonderangebot – 2,77 Euro das Kilo ohne Knochen. Der Spruch dazu: REWE – jeden Tag ein bisschen besser.
Der Trailer läuft im Fernsehen und im Internet, dazu kommt sicher Werbung in vielen tausend Zeitungen oder Beilagen. REWE verbreitet eine Stimmung, als müsste die Menschheit ausflippen vor Freude. Vielleicht tut sie das auch zum überwiegenden Teil. Ich weiß es nicht.
Im Grunde genommen ist diese sensationelle Meldung aus der REWE-Werbung eine zutiefst deprimierende Nachricht, wenn man sich überlegt, was hinter diesen zwei Pfund Niedrigpreis-Kassler ohne Knochen steckt.
Nur wenige Wochen nach Aufdeckung des Dioxin-Skandals wird schamlos mit Billigfleisch geworben. Ich habe keine Ahnung, wie viel Fleisch bei REWE im Zuge so eines Sonderangebotes über den Tisch geht, aber jedes einzelne Kilo ist ein Hohngelächter auf das Dioxin-Skandal-Geschrei. Wie soll, bitte schön, eine vernünftige Fleischherstellung zu diesem Preis möglich sein? Da bekommt man einen kompletten Braten, der geeignet ist, den Sonntags-Mittagstisch einer 10-köpfigen Familie zu schmücken, für 2,77 Euro.
Quintessenz: Es wird gemästet, was das Zeug hält.
Und noch schlimmer: Der Verbraucher will es so.
Denn sieht man sich die einschlägige Literatur an, heißt überall, der Fleischverkauf geht einzig über den Preis. Da wird turbo-geräuchert und injektionsgepökelt was das Zeug hält. Und was die Schweine zu fressen bekommen und wie sie gelebt haben, bis es soweit ist – interessiert keine Sau!

Twitter-Einträge jetzt auch hier!

Seit dem Umbau dieses Blogs sind die Twitter-Einträge von Hausarzt Dr. med. Anselm Kunze auch hier sichtbar. Rechts unten in der Sidebar stehen immer die drei letzten Tweets.
Inzwischen sind es schon über 150 kleine Geschichten aus dem Praxisalltag. Wer sie alle lesen möchte, kann das auf www.facebook.com/HausarztKunze oder auf www.twitter.com/HausarztKunze tun.

Heiligabend mit Dr. Kunze

Taschenbuch

ISBN 978-3-9808429-5-2, € 12,-

Zum 4. Advent-Wochenende wird am Freitag, dem 18. Dezember nach längerer Zeit eine neue Kolumne um Hausarzt Dr. med. Anselm Kunze veröffentlicht.
Diesmal wird die Geschichte keinen Einblick in die Praxisarbeit bieten. Am Heiligen Abend schließt der Hausarzt mittags die Praxis und erwartet seine erwachsenen Kinder zum Familienfest. Bevor der Besuch eintrifft, geht das Ehepaar Kunze am Nachmittag in die Kirche. Der Leser begleitet die beiden beim Kirchgang am Heiligen Abend.

Diese Geschichte ist nicht im Buch Hausarzt Dr. Kunze hört (nicht) auf enthalten. Wer mehr über den Hausarzt lesen möchte, kann hier das Taschenbuch im Verlag Leben&Schreiben versandkostenfrei bestellen. Selbstverständlich ist das Taschenbuch auch überall im Buchhandel unter der nebenstehenden ISBN zu erwerben.