Der Verlust

Der Verlust
Der Roman Der Verlust ist ein dramatisches Buch über die Auswirkungen der unbehandelten Alkoholsucht. Zwei Familien, die einander nicht kennen, leiden auf unterschiedliche Weise unter den verheerenden Symptomen dieser Krankheit.

Kommentar des Autors
Der Verlust ist manchmal hart und schonungslos und phasenweise erschütternd. Gleichwohl, oder gerade deswegen, hat mir bisher kaum ein Text mehr am Herzen gelegen als Der Verlust. Es ist das autobiographischte meiner Bücher. Dieses Geständnis ist aber nicht 1:1 zu verstehen, denn nur wenige Dinge, eher Randerscheinungen, sind mir im Leben so widerfahren, wie sie in diesem Buch stehen. Das Autobiographische bezieht sich auf die beiden großen Themen dieses Romans, die Themen Familie und Alkoholismus.
Jeder, der mich kennt, weiß, dass das Thema Familie in meinem Leben eine große Rolle spielt. Mein persönlicher Seelenzustand ist abhängig vom Zustand meiner Familie. Dies trifft vielleicht auf viele von uns zu. Geht es einem Teil meiner Familie nicht gut, wird es auch mir nicht vollkommen gut gehen können.
Gelegentlich beschleicht mich Angst um meine Familie, und ich frage mich, ob Glück immer so weiter gehen kann. Dabei bin ich nicht der Mensch, der sich ständig um seine Familie ängstigt, aber manchmal mischt sich eben Sorge unter das Glück. Ganz besonders auch deswegen, weil ich täglich in meinem Beruf erlebe, wie schnell sich das Schicksal wenden kann. Der Roman Der Verlust hat mit dieser mit meiner Angst um meine Familie zu tun.
Neben dem Thema Familie ist der Alkoholmissbrauch das zweite große Thema dieses Buches. Alkoholmissbrauch und Alkoholkrankheit beschäftigten mich natürlich als Arzt, aber auch als Freund, als Verwandter oder Bekannter.
Vor 25 Jahren bin ich dem Thema Alkohol zum ersten Mal im Sinne eines Problems begegnet. Bis dahin gab es zwar Erlebnisse mit eigener Trunkenheit oder der anderer. Teilweise waren sie auch unangenehm oder gar bedrückend, aber insgesamt konnten sie wohl noch unter dem Sammelbegriff “normal” abgetan werden. Vor 25 Jahren dann, glitt einer meiner besten Freunde ganz offensichtlich von unseren feucht-fröhlichen Wochenendpartys hinüber in eine tägliche Gewohnheit des Trinkens, und er veränderte sich dabei. Gesprächen und Warnungen war er nicht zugänglich, sein Benehmen wurde unerträglich. Was folgte war schließlich das Ende unserer Freundschaft. Der Alkohol war ihm wichtiger. Damals wusste ich noch nicht, dass dies der übliche Gang der Dinge ist. Alkoholismus führt häufig zum Auseinanderleben und zur Isolation, bzw. manchmal zu neuen Bekannten auf einer anderen sozialen Ebene.
Etwa zur gleichen Zeit musste ich mich auch medizinisch zum ersten Mal mit dem Problem Alkohol auseinandersetzen. Ich war Student, brauchte wie immer nötig Geld und übernahm als Nebenjob so genannte Sitzwachen in der Psychiatrie. Meine ersten Fälle damals waren Alkoholkranke im Entzugsdelirium.
Das Delirium ist ein schwerer, lebensbedrohlicher Zustand, der jederzeit Atemstillstand, Herz-Kreislaufversagen oder schwerste epileptische Krampfanfälle auslösen kann. Die Drohung eines tödlichen Ausgangs bestimmt das ärztliche Handeln. Damals, als eher noch unbedarfter Student, habe ich gedacht, welch ein medizinischer und damit auch Kostenaufwand, nur weil dieser Mensch das Saufen nicht lassen kann. Genau dieses Denken wirft weitere Fragen auf: Ist Alkoholismus eine Krankheit? Oder ist die Sucht einfach fahrlässiges oder vorsätzliches Fehlverhalten?
Wir kennen alle die kurzfristige Wesensveränderung, die mit demjenigen geschieht, der einmal zuviel trinkt. Der Betrunkene wird lustig oder rührselig oder manchmal auch aggressiv oder einfach nur müde. Am nächsten Tag ist er in der Regel wieder der Alte, spätestens ab mittags. Aber langjähriger Alkoholmissbrauch führt zu Veränderungen, die dauerhaft bleiben. Der Geist schwindet, läppisches Geschwätz, Unzuverlässigkeit, und später Stumpfsinn sind typische Entwicklungs- oder Rückentwicklungsschritte.
Für mich als Arzt ist das Thema Alkohol natürlich bis heute ein Thema geblieben, und Sie können mir glauben, die Begegnungen sind mit den Jahren nicht seltener geworden. Dies war ein Motiv Der Verlust zu schreiben.

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