Kommentar zur Famulaturserie

Mein Kommentar soll kurz sein. Die kleine Artikelserie von Carolin Koch spricht weitgehend für sich. Ihre Famulatur war, begonnen mit ihrer Initiativbewerbung über diese Website bis zum persönlichen Kontakt, eine erfreuliche Sache.

Carolins wichtigstes Fazit möchte ich noch einmal herausheben:

Allgemeinmedizin und damit Hausarztmedizin muss nicht langweilig sein!

Die unter Studenten und Assistenzärzten verbreitete Ansicht, dass hausärztliche Medizin, zumal in der Kleinstadt oder gar auf dem Land

  • eine öde Sache ist
  • keinen Spaß macht
  • Arbeit rund um die Uhr bedeutet
  • kein freies Wochenende, wenig Urlaub zulässt
  • geringen Verdienst bietet
  • dazu jeder Menge Regressgefahren ausgesetzt ist,

muss so nicht zutreffen.

Schlussfolgerung:

  1. Studenten oder Assistenzärzte sollten sich die Lage in modern geführten Hausarztpraxen selbst ansehen, bevor sie ein Urteil fällen
  2. Hausärzte sollten ihre Praxen auf moderne, wirtschaftliche und lebensfreundliche Füße stellen, wenn sie Nachfolger locken wollen
  3. medizinische Fakultäten an Universitäten und Hochschulen sollten viel mehr mit niedergelassenen Ärzten zusammenarbeiten, wenn der Mangel an Hausärzten wirklich nachhaltig beseitigt werden soll.

Eine Hausarztpraxis auch auf dem Land zeitgemäß zu führen ist möglich und daraus kann resultieren:

  • Spaß an der Arbeit
  • Zusammenarbeit mit ärztlichen Partnern
  • hohe Qualität der Arbeit durch erweiterte Möglichkeiten der Diagnostik und Therapie, dazu jede Menge „Spontan-Konsile“
  • ausreichende Freizeit bis hin zur Wahl der Arbeitsbelastung (Teilzeitarbeit)
  • Einkommenssicherheit durch moderne und professionelle Führung der Praxis
  • Einkommenssicherheit gerade weil die Niederlassung in möglicherweise unterversorgten Gebieten erfolgt (da wo alle sind, ist die Konkurrenz groß!)

und last but not least (was ich an meinem Job so liebe)

  • Unabhängigkeit von kaufmännischer und medizinischer Fremdbestimmung. Meine Kollegen und ich sind unsere eigenen Chefs.

Selbstverständlich unterliegen auch wir in unserer Praxis ökonomischen und medizinischen Zwängen, aber die können wir mit uns selbst ausmachen, können selbst bestimmen, wo wir uns unter Druck setzen lassen und wo nicht, in welcher Form wir kaufmännisch handeln und wie unsere persönliche Medizin aussieht. So, wie die Arbeitsbedingungen in deutschen Krankenhäusern heutzutage oft sind, möchten weder meine fünf Partner noch ich jemals wieder arbeiten.

Abschließend kann ich Medizinstudenten im klinischen Abschnitt und Assistenzärzten in der Facharztausbildung nur raten: Schaut euch unseren „Laden“ an. Natürlich arbeiten auch wir nicht zu knapp, aber unsere Praxis ist trotzdem anders.