Was ist eigentlich… ein Impingement-Syndrom?

In der Sendung „Visite“ am 9. 10. 2012 auf N3 wird sich mein Beitrag auf das so genannte Impingement-Syndrom der Schulter konzentrieren. Das Impingement-Syndrom ist die häufigste Störung im Schultergelenk. Damit Sie als Leser von www.der-andere-Hausarzt.de auf das Thema vorbereitet sind, vorab dieser Artikel zur Klärung des Begriffes mit Hinweisen zu Anatomie und Ursache des Impingements. Auf die Therapie wird in späteren Artikeln eingegangen.

Als Impingement-Syndrom wird die schmerzhafte Enge (to impinge – anstoßen, aufprallen) innerhalb eines Gelenkes bezeichnet. Im Sprachgebrauch ist das Schultergelenk gemeint, geht es um andere Gelenke, z. B. das Hüftgelenk, wird das extra erwähnt.

Das Schultergelenk ist ein Kugelgelenk und in alle Richtungen beweglich. Der Knochen besteht aus einer Pfanne, die Teil des Schulterblattes ist und einer Gelenkkugel, dem oberen Teil des Oberarmknochens – der Oberarmkopf. Das Gelenk wird von Bändern und Muskeln gehalten und geführt.

Das Schultergelenk ist ein kompliziertes Gebilde, in dem es vor allem unterhalb (sub) des Schulterdaches (Acromion) eng werden kann. Deswegen wird das Impingement-Syndrom der Schulter auch als Subacromial-Syndrom (SAS) bezeichnet. Der Raum zwischen Schulterdach und Oberarmkopf ist von Natur aus nur wenige Millimeter weit. Platzmangel ist also Normalität.

Durch den schmalen Raum zieht die flächige Sehne der so genannten Rotatorenmanschette. Vier verschiede Muskeln „münden“ in diese Sehnenplatte. Die „Gemeinschafts-Sehne“ hat die Aufgabe das Schultergelenk nach innen und außen zu drehen, seitlich anzuheben und anzuspreizen. Darüber hinaus gibt die zähe Sehnenplatte dem Schultergelenk durch Druck auf den Oberarmkopf Halt von oben.

Die Sehne der Rotatorenmanschette wird auf dem Wege durch den engen Raum von einem Schleimbeutel geschützt. Der Schleimbeutel (Bursa) soll ein Zerreiben der Sehne zwischen Schulterdach und Oberarmknochen verhindern.

Was sind die anatomischen Ursachen für ein Impingement?

1. Entzündung des Schleimbeutels (Entzündung bedeutet immer auch Schwellung, daraus resultiert Platzmangel)

2. Kalkablagerungen im Schleimbeutel oder in der Sehne (Ablagerungen beanspruchen Raum, dadurch Platzmangel)

3. Entzündungen, Risse oder Anrisse der Sehne, mit entsprechenden Schwellungen oder Aufwulstungen, die Platzmangel auslösen

4. freie Flüssigkeit im Schultergelenk (Gelenkerguss), daraus resultiert – zu viel Wasser – zu wenig Platz

5. anatomische Varianten, vor allem des Schulterdaches, z.B. Knochenspornbildung am Acromion mit Einengung des Subarcromialraumes, s. o.

Auf die Enge reagiert der Körper mit Schmerzsignalen. Wie jeder Schmerz birgt auch dieser Schmerz einen Sinn. Der schädigende Grund für Entzündungen, Schwellungen und Verletzungen soll abgestellt werden, so soll beispielsweise

-nicht mehr über Kopf gearbeitet werden,

-das Speerwerfen eingestellt werden,

-der Hund nicht mehr ruckartig an der Leine ziehen und

-man nicht mehr auf der Schulter schlafen, auch wenn es die Lieblingsseite ist.

Damit das Engensyndrom abheilen kann, möchte der Körper die Bewegung im Gelenk mehr oder weniger ganz einstellen, damit keine Reibungen mehr zustande kommen. Dies wiederum birgt die Gefahr der Versteifung des Gelenks, was unbedingt verhindert werden muss. Schmerzfreiheit auf Kosten der Bewegungsunfähigkeit ist keine akzeptable Lösung.

Für eine sinnvolle und angepasste Therapie muss der Grund für die Erkrankung gefunden werden. Es muss also der Grund für das Impingement (siehe oben Punkte 1. – 5.) gefunden werden, damit entsprechend therapiert werden kann. Dazu mehr in später folgenden Artikeln.

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