Lebensphilosophie in den Bergen

Eine Woche Alpenwanderung von Hütte zu Hütte ist allein durch Verzicht auf mediale Kommunikation erholsam. Kein Telefon, kein Computer, kein Fernsehen, kein Radio, kein Internet – also auch kein Blog.
Selbst eine Uhr ist verzichtbar. Wenn die Sonne aufgeht, wird aufgestanden, und wenn es dunkel wird, ist es Zeit für das Abendessen. Wenig später schaltet der Hüttenwirt (resp. die Wirtin) den Solarstrom ab, damit er nicht knapp wird für wichtigere Dinge. Die Stirnlampen gehen an für den Gang auf die Toilette, und um das Lager zu finden.
Morgens gibt`s Frühstück. Zwei Scheiben Brot, ein Stück Butter und Marmelade, dazu stehen Kaffee oder Tee in der Küche – zum Abholen. Bedienung hinten und vorne gibt es nicht auf der Hütte. Der Tourist schaut in der Küche nach, ob er nichts vergessen hat „zuam hole“. Aber da steht nichts mehr. Der Wirt in seiner speckigen Krachledernen lauert hinterm Holzbalken, zieht dem Touri an der Hose und fragt:
„Wos wüstn no ois hoam?“
Ja, was will man noch alles haben? Ist doch genug. Schlichtes Leben, Berge, Natur, Ruhe.
Ein anderer Touri braucht Licht zum Frühstück. Er zieht am Band neben der Glühbirne – nichts. Er fragt den Wirt, ob der Strom eingeschaltet werden kann, er möchte die Wanderkarte studieren.
„Wannst dahoam bist, konnst‘es mit doanem Atomstrom wieda blitzhell moche. Hier wird gspoart.“
Zack. Die nächste Weisheit. Schlicht, treffend. Dein Zuviel an Stromverbrauch aus dubioser Quelle, so etwas gibt es hier in den Bergen nicht. Nebenan wird stumm der Mp3-Player weggesteckt. Gerade hatte man noch fragen wollen, ob man den vielleicht irgendwo aufladen könnte. Zu Hause wieder – mit Atomstrom.

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6 Responses to “Lebensphilosophie in den Bergen”

  1. Hoert sich toll an, moechte ich auch mal machen!

  2. Und wenn der krachlederne Wirt sich das OSG beim Kraxln aushengt, dann kommt der Heli mit bösem Weltraum-GPS und Atomstrombatterie und hightech Titan-Getriebe im Rotorkopf und rettet dem Sepp das Leben.
    Damit er dann wieder nach 6 Wochen Europamedizin auf sein Mönchsdasein umschalten kann und die gut bezahlenden “Einfachtouristen” auf die wahren Werte runterstupfen kann.

  3. Mir ist folgende Episode näher: Der krachlederne Wirt steigt zwei Stunden über die Berge, um mit seinen Freunden Schafskopf zu spielen. Danach wieder zwei Stunden zurück. (Übrigens sind das Wanderzeiten, von denen der Durchschnitts-Europäer nur träumen kann.)
    Die beiden Lebensepisoden von “Dr. Offenraus” und mir zeigen, ohne Begriffserklärung, den Unterschied zwischen Misanthropie und Philanthropie.
    Gruß
    Der andere Hausarzt

  4. Oh ja, das kann ich nur bestätigen, eine solche reise kann sehr inspirierend wirken.

  5. Richtig, vor allem ist so etwas besser als Mallorca & Co. :-)

  6. Klingt wirklich idyllisch. Da kann man sich eine Scheibe abschneiden!

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