Ein ausgebrannter Fall II
Auf Grund einiger Kommentare zum Vorartikel vor allem auf DocCheck Blog hier einige ergänzende Bemerkungen zu dem ausgebrannten Fall.
Der Patient ist seit über 20 Jahren in meiner hausärztlichen Behandlung!!
Seitdem rede ich mit Engelszungen, drohe, halte vor Augen, überzeuge, nötige, biete weitere Hilfen an und prophezeie. Das Ergebnis ist in Teil I nachzulesen.
Kostenintensive Hilfen werden längst nicht immer direkt von mir in die Wege geleitet. Im Gegenteil, meistens gehen diese Dinge vom wochenendlichen oder nächtlichen Notdienst aus. Ich erfahre dann im Nachhinein, was wieder einmal alles passiert ist. Wieder Bypass, wieder stationäre Reha, oder, oder, oder.
Aber: Was hilft all der ärztliche Frust, wenn der Patient vor einem sitzt, nach Luft jappt und stärksten Brustschmerz empfindet? Soll ich dann sagen: Siehste!
Wie heißt es so schön im House of God? Der Patient ist der Kranke.


Juni 20, 2010 














Ja, das ist schon ein irrwitziges Phänomen. Mir kommt es so vor, als wenn da einer sitzt, der mit dem Hammer auf seine Kniescheibe eindrischt. Die blutet schon und er hat Tränen in den Augen. Jetzt will er medizinische Hilfe wegen des Gewebsschadens und Schmerzmittel.
Wir Ärzte sind alle schon so daran gewöhnt, zu Hilfen zu greifen, dass wir auch so einem Deppen nicht den Hammer wegnehmen, sondern zum Rezeptblock greifen würden.
Wir sehen schon den Wald vor Bäumen nicht mehr. Unseren Kindern würden wir doch gefährliches Spielzeug wegnehmen, wenn sie in Gefahr geraten. Unseren “Schutzbefohlenen” den Patienten bieten wir nur die teuren Therapien an. So ähnlich wie der verwöhnte Industriellensohn, der an Stelle eines klaren NEIN das einfacher zu erledigende Geldgeschenk bekommt.
Mein Vorschlag: Geldstrafen für vorgeschädigte Raucher!
Wenn in der Intima-Mediavermessung ein überdurchschnittlicher Schaden bei einem Raucher auftaucht ( und natürlich bei fortgeschritteneren Gefäßschäden mit entsprechendem Steigerungsfaktor) sollte ein staatsanwaltliches Rauchverbot ausgesprochen werden können. Ausgenommen werden kann nur, wer die Gesundheitsfolgekosten seines Vergnügens selbst bestreitet.
Diese patientenfeindlichen Disziplinierungsmaßnahmen müssten dann vom MDK ausgesprochen werden, damit wir als Hausärzte nicht den Zugang zum Patienten verlieren. Aber das wäre ein Leichtes. Durch CO-Messungen u.Ä. ließe sich so ein simples Suchtverhalten wie das Rauchen schon identifizieren.
Ärzte dürfen nicht immer everybody`s Darling sein.
Der demente Opa bekommt ja auch den Führerschein entzogen ( vom Landratsamt, nicht vom Hausarzt) weshalb kann dann nicht der weiter saufende Alkoholiker außer dem üblichen “Lappenverlust” auch eine Geldstrafe fürs Kampftrinken bekommen? Nach der zweiten Ösophagusvarizenblutung der Vierten alkoholisierten Suizid-Magenauspumpung oder sonstigen Alkoholikerschäden kann man doch vielleicht mal daran denken, dass die Allgemeinheit nicht nur zum Retten sondern auch zum Wiedereingliedern verpflichtet ist.
Solche Geldstrafen hätten auch einen belehrenden Effekt auf die noch nicht morbiden Konsumenten besagter Stoffe. Unser Recht auf Selbstzerstörung mag ja einleuchten aber nur wenn man die Kosten auch selbst übernimmt.
K.Lischka, Kreativarzt (schade, dass ich die Kommentare der andern Leute nicht lesen kann)
Einen Kranken für seine Krankheit bestrafen? Echt?
Tolle Idee, und dann aber auch richtig. Berufssportlern nach dem 2ten bänderriss, whatever den Sport verbieten. Zuckerkranke müssen in zukunft einen stilisierten Würfelzucker auf der Jacke tragen und dürfen Bäckereien oder Cafees nicht mehr ohne besondere Erlaubniss betreten. Willkommen in der Diktatur der “Ärzte” dann müssen sie sich nur noch um die richtig Kranken kümmern …
Das ist das beliebteste Argument der Juristen, Stephan. Man nehme einen Änderungsvorschlag für Situation A und verallgemeinere ihn bis zur Unkenntlichkeit. Da wird sich schon ein Fall finden, der unmöglich dazu passt. Dann sagt man: was nicht für alle gilt das kann nicht im besonderen Fall gelten. Und schon bleibt alles wie es ist. Wer so undifferenziert den Unverbesserlichen nachgibt ist Co-Alkoholiker, Co-Raucher usw. Die Idee für bestimmte Sportarten eine Unfallversicherung zu fordern ist übrigens nicht neu. Es gab mal den Gedanken an Skiliften einen Prozentsatz für eine Unfallversicherung zu berappen. Deswegen muss nicht gleich jedes erhöhte Risiko zurückgegeben werden. Der “ausgebrannte Fall” ist doch bezeichnend genug um schier zu verzweifeln. Die übliche Behauptung “der Arzt ist böse” ist angesichts dieses überwältigenden Problems etwas unfair. Aber nicht jeder sieht den Umfang dieses Siechtums.
Ich kann Herrn Lischka nur beipflichten. Es kann nicht sein, speziell bei der heutigen Situation der Kassen, dass Menschen sich vorsätzlich krank machen und krank erhalten, und die Allgemeinheit immer weiter zahlen muss. Und das ganze ohne irgendwelche Konsequenzen für die Patienten.
Dann müssen nämlich letztlich die Patienten leiden, die bestimmte Behandlungen nicht mehr bekommen, weil kein Geld dafür da ist. Und die haben sich u.U. immer gesundheitsfördernd verhalten.
So nebenbei: Ich finde auch, dass die Kosten für Rettungseinsätze von jugendlichen Komasäufern von denen bzw. den Eltern getragen werden sollten.
Ach ja, ich habe selber einen Sohn – über 18. Aber er hat von mir einen verantwortungsvollen Umgang damit gelernt – und trinkt so gut wie nie und dann wenig. Sollte etwas entsprechendes wider Erwarten doch passieren, würde ich die entstehenden Kosten an IHN weiterleiten. DAS lehrt!
Ich bin selbst, nennen wir es, ein Genussmensch. Aber eben alles in einem vertretbaren Maße. Wie im allgemeinen die Menschen insbesondere in den sogenannten zivilisierten Staaten mit ihrer eigenen Gesundheit umgehen, das ist schlichtweg nicht nachvollziehbar.
Schauen wir kurz nach Japan. Dort exisitiert ein rein staatliches Gesundheitswesen. Und obwohl Japanerinnen und Japaner im internationalen Vergleich im Hinblick auf allgemeine Gesundheitszustände sehr gut abschneiden hat sich dort jeder Staatsbürger einmal jährlich wiegen und vermessen zu lassen. Warum? Es ist ein Trend, wenn auch noch in verhaltenem Maße, zur Übergewichtigkeit festzustellen. Die Regierung wirkt diesem Trend mit Sanktionen entgegen. Wer ein bestimmtes Level überschreitet, zahlt ganz einfach einen Zuschlag für die Gesundheitsversorgung. Punkt! (Meines Wissens sind Sumoringer davon ausgenommen) Risikogruppen hierzulande! Fühlen wir nur mal Anträge für die Aufnahme in die private KV oder Kapital-LV`en aus. Welche umfangreiche Fragen hinsichtlich gesundheitlicher Umstände oder auch im Bereich von Freizeitrisiken werden da abverlangt! Leider, leider müssen hier alle die sich überdurchschnittlich gesundheitlich solidarisch verhalten, sprich, eine relativ gesunde Lebensweise führen, für die Zeitgenossen blechen, die sich einen SCH…. dreck darum kümmern. ICH würde diese Leute extra zur Kasse bitten, aber definitiv. Genau das ist es nämlich was einzig bei den meisten helfen würde – selber zahlen und zwar deutlich. Überschreitet jemand eine bestimmte zulässige Höchstgeschwindigkeit kostet das. Je höher die Überschreitung, desto teurer wird es.
Wo will man die Grenze ziehen? Was ist mit den Drogensüchtigen, Extremsportlern, Fettleibigen? Die Liste ließe sich beliebig vortsetzen. Für jede Gruppe ein Extrazuschlag? Führen wir doch gleich eine Gesundheitspolizei ein, Kontrolle ist alles. Erkrankt jemand, wird zunächst geprüft, welche Ursache zugrunde liegt. Ich finde diese Überlegungen in den Kommentaren schlimm. Irgendwie sind wir doch eine Solidargemeinschaft, auch im Bereich Gesundheit. Einverstanden mit Kürzungen oder eigener Zahlung wäre ich bei unnützen Therapien, die es vielfach gibt.
So, das musste ich einmal loswerden.