PR-Offensive für Impfung gegen Schweinegrippe
Jetzt wird um die Euros gekämpft und viele machen mit.
Dem drohende Milliarden-Verlust im Zusammenhang mit nicht verbrauchten und verfallenden Impfseren gegen Schweinegrippe wird jetzt mit einer gewaltigen PR-Maschinerie gegen gehalten. Niemand weiß mehr, was man noch glauben kann. Infos purzeln munter durcheinander und auch dieser Artikel wird kein schlüssiges Resultat bringen. Nur eines ist sicher, auf welche Weise Informationen übermittelt werden, dafür haben die Amerikaner ein wunderbares Wort, das unserem deutschen Wort Humbug deutlich überlegen ist: bullshit. Hier ein paar Schlagworte, die so zusammengestellt, zumindest zum Überlegen anregen sollten.
1. Verseuchte Urkraine
Tausende “Grippekranke” in der Ukraine und viele Tote sind zu beklagen. Tatsächlich sind die Menschen in der Ukraine arm dran, aber hier wird der Eindruck vermittelt, als sei dafür allein das H1N1-Virus zuständig. In Nebensätzen, im Kleingedruckten oder auf Folgeseiten wird klar, dass die Ukrainer keine Ahnung haben, welche Infektionen sie da behandeln. Ob normale Grippe, Schweinegrippe oder andere grippeähnliche Virus-Erkrankungen, ist in einem Land wie der Ukraine allein schon von den Forschungs- und Untersuchungsmitteln her, nicht zu beantworten. Ukrainische Ärzte sagen wortwörtlich: Wir wissen nicht wogegen wir kämpfen und was wir hier behandeln.
2. Tommy Haas hat Schweinegrippe
Das ist natürlich eine Sensation und lässt sich wunderbar ausschlachten. Dem nachdenklichen Leser solcher Schlagzeilen fällt allerdings auf, dass selbst eine BILD-Zeitung keine fett gedruckten Todeszahlen zu vermelden hat. Da muss ein alternder, ewig verletzter Tennisstar herhalten.
3. Doppeljobs beim RKI
Meldungen machen zumindest in Fachkreisen die Runde, dass gelegentlich Mitarbeiter des Robert-Koch-Instituts (die “neutralen” Impfpäpste in Deutschland) gleichzeitig auch Berater von Pharmaunternehmen sind. So etwas verwundert aber nicht wirklich.
4. Meldung vom 30.10.09 beispielsweise auf BILD.de
Die Arznei-Zulassungsbehörde der Schweiz hat nun entschieden, dass der Impfstoff (gemeint ist Pandremix, Anmerkung des Verfassers) in der Schweiz nicht bei schwangeren Frauen, Kindern unter 18 Jahren und Senioren über 60 Jahren angewandt werden darf.
Man lese und staune. Die Schweiz ist ja nun nicht gerade als unverantwortlich und voreilig verschrien.
5. Gesundheitsminister Röslers Impfverhalten
Der neue Gesundheitsminister besitzt noch so viel Unbedarftheit, in der Öffentlichkeit zu sagen, dass die “normale” Grippe noch immer gefährlicher ist als die Schweinegrippe (Frage: Warum zählt eigentlich keiner die Todesopfer der normalen Grippe. Antwort: Das macht nichts her.) GM Rösler gibt auf Nachfrage offen Auskunft, dass er sich zunächst die “normale” Grippeimpfung verabreichen lasse. Dann wird sein Gesichtsausdruck etwas verkniffen (reine Interpretation des Autors) und er fügt an, dann käme die Impfung gegen die Schweinegrippe an die Reihe. (Fehlt nur noch ein irgendwann oder vielleicht, wieder reine Interpretation des Autors)
Kleines Fazit
Bei dieser Art Volksinformation könnte Der andere Hausarzt ja mal dahergehen und behaupten, dass die Möglichkeit besteht, dass die Impfungen gegen Schweinegrippe eventuell ganz vielleicht ein zweites Contergan auslösen. Oder in sieben Jahren alle Geimpften Lymphdrüsenkrebs bekommen könnten. Oder, dass die Zahlen tödlicher Folgen einer Impfmittelallergie in die Tausende gehen werden, die Veröffentlichung aber unterdrückt oder verschleiert wird. Alles bullshit (s.o.), so wahrscheinlich oder unwahrscheinlich wie alle unbelegten Meldungen.
Zum Schluss ein paar (unvollständige) Ratschläge
1. Bleiben Sie kritisch.
2. Grippeimpfungen helfen grundsätzlich denen am wenigsten, die sie am dringendsten brauchen. Die Ansprechrate älterer Menschen in Sachen Immunisierung ist erschreckend gering und geht bis unter dreißig Prozent.
3. Ungenügend getestete Medikamente sind grundsätzlich am kritischsten für Schwangere und Kinder zu betrachten.
4. Machen Sie sich keine Sorgen über ausverkaufte Grippemittel. Es gibt nichts gegen Grippe, außer ein bisschen Aspirin für Erwachsene oder Paracetamol für Kinder. Der Rest ist Ruhe, Pflege und genügend Flüssigkeitszufuhr. Schleimlöser beispielsweise helfen nur, wenn Sie genügend trinken, und wenn Sie genügend trinken, brauchen Sie keinen Schleimlöser.


November 3, 2009 














Ähnliche Gedanken habe ich mir auch gemacht.
Ach, drum funktioniert Lindenblütentee bei mir so hervorragend als Schleimlöser… (ist ja klar. Um das bisschen Linde rum ist ein ganzer Liter warmes Wasser… *ggg*).
Zum Rest: same old, same old (oder auch: “Herr, schmeiß Hirn vom Himmel – aber bitte, ziele diesmal etwas besser!”)
Hallo Wolf-Peter,
schön, dass einige Ärzte wie Sie klaren Kopf behalten und sich gegen die Schweinegrippe aussprechen.
Zu Ihren Ratschlägen möchte ich noch ein wichtigen Bestandteil beitragen und zwar die Immunkräftigung. Wie das geht, kann man in dem kostenlosen E-Book “So schützen Sie sich vor der Schweinegrippe”, welches ich mit der Forschungsgruppe Dr. Feil herausgebracht habe, nachlesen.
Hier kann man das E-Book kostenlos downloaden: http://www.dr-feil.com/ebook-schweinegrippe/
Lg – Valentin Feil
Lieber Kollege,
uneingeschränkte Zustimmung zu Ihrer Kritik an der Kommunikations-Katatstrophe, die rund um dieses Thema herrscht. Die ganze Angelegenheit als Panikmache, gestützt durch die Pharma-Industrie, hinzustellen ist aber auch zu einfach schwarz-weiß. Die Fa. Novartis hat ihre Impfdosen an die Bundesregierung ja längst verkauft. Es kann ihr also egal sein, ob sie verimpft werden oder im Kühlschrank verschimmeln.
Durch alle diese Diskussionen bekommen gerade bestimmte “Lager” Oberwasser, die wir als Ärzte mindestens genauso kritisch sehen müssen, wie die Pharmalobby. Ich meine jene fantatischen Impfgegner, die dann für ihre Kindern Masernparties abhalten, da es ja viel gesünder sei Masern durchzumachen, als sich impfen zu lassen. ….
Präventivmaßnahmen haben immer den Nachteil, dass sie – wenn sie wirksam sind – eben den Schrecken nehmen und nie klar wird, was einem erspart bleibt, d.h. die Bedrohung so abstrakt bleibt. Deshalb wirken Antiraucher-Kampagnen so schlecht bei Kindern und Jugendlichen. Wenn hinterher das Lungen-Ca da ist, ist es zu spät.
Ich hoffe sehr, dass auch die Schweinegrippen-Bedrohung abstrakt bleibt. Andernfalls wäre auch Ihr Artikel im Nachhinein mit dran schuld, wenn eine Katastrophe ihren Lauf nimmt (s.a. http://drgeldgier.wordpress.com/2009/11/06/schweinegrippe-impfung-ein-gebet/)