Das akute Koronarsyndrom Teil 1
Was sind die Herzkranzgefäße?
Bevor an dieser Stelle geklärt wird, was ein akutes Koronarsyndrom ist, sollen ein paar Grundlagen der Anatomie und der Funkton von Herzkranzgefäßen beschrieben werden. Die Herzkranzgefäße (Coronarien) heißen so, weil sie sich kranzförmig um das Herz winden. Wie immer im Gefäßsystem des Körpers gibt es Arterien (Schlagadern) und Venen. Und wie immer finden Probleme der Durchblutung in den Schlagadern statt. Die Venen sind hier wie anderswo für den Blutrückfluss zuständig und nicht für die Blutversorgung.
Kurze Info zur Anatomie
Es gibt eine rechte und eine linke Koronararterie, die eine windet sich rechts ums Herz herum, die andere links. Beide entspringen aus der Hauptschlagader (Aorta) kurz nach deren Abgang aus der linken Herzkammer. Das Besondere an den Herzkranzgefäßen ist, dass sie so genannte Vasa privata sind, auf Deutsch: Privatgefäße. Diese Bezeichnung bedeutet, dass derlei Adern nicht eingebunden sind in die Aufgabe des Organs, sondern zuständig sind für dessen Blutgefäßversorgung, also dafür, dass das entsprechende Organ seine Arbeit verrichten kann. Dieses gilt generell für Privatgefäße, ob die der Nieren, der Leber, oder eben für die des Herzens.
Auswirkungen von Durchblutungsstörungen
Die Aufgabe des Herzens ist es, Blut durch den Lungen- und Körperkreislauf zu pumpen. Die Herzkranzgefäße als Privatadern des Herzens haben die Aufgabe, den Herzmuskel und andere Herzanteile bei ihrer Arbeit mit Blut, also mit Sauerstoff und Energie, zu versorgen. Wenn diese Aufgabe nicht exakt ausgeführt wird, leidet ein entsprechender Herzmuskelanteil mehr oder weniger stark darunter, je nach dem wie ausgeprägt die Durchblutungsstörung ist. Und je nachdem in welcher der beiden Koronararterien die Verstopfung auftritt, sind Vorder- Hinter oder Scheidewandanteile des Herzmuskels betroffen. Da auch die Herzklappen von Muskeln geöffnet und geschlossen werden, kann eine Durchblutungsstörung in diesem Bereich zu einem akuten Versagen der Klappenfunktion führen – mit entsprechenden Folgen.
Unterschied zur Carotisstenose
Wichtig zu wissen ist, dass die Herzkranzgefäße so genannte Terminalarterien sind, also Endstromgebiete versorgen. Das bedeutet, dass von nirgendwoher andere Adern in dasselbe Gebiet einströmen oder einströmen könnten. Kollateralkreisläufe wie wir es beim Thema Carotisstenose erfahren haben, gibt es also bei der Koronarstenose weitgehend nicht. Wenn ein Herzkranzgefäß zu 100% verstopft ist, folgt ein Infarkt, das entsprechende Gewebe geht unter, stirbt ab.
Reizleitung und Blutfluss
Der Herzmuskel wird durch „Ministröme“ aktiviert. Ohne diesen Stromfluss keine Muskelarbeit und ohne Muskelarbeit keine Herzarbeit. Damit der Stromfluss gleichmäßig und dem Bedarf angepasst fließt, gibt es einen Taktgeber im rechten Vorhof (Sinusknoten) und „Leitungskabel“ in alle Abschnitte des Herzens. Dieses Reizleitungssystem ist, wie alle anderen Herzabschnitte, angewiesen auf eine ordentliche Durchblutung. Eine Durchblutungsstörungen kann den Stromfluss empfindlich stören und so eine mehr oder minder gefährliche Herzrhythmusstörung hervorrufen.
Wie kommt es aber zu diesen Durchblutungsstörungen im Allgemeinen und in den Herzkranzgefäßen im Besonderen. Wie sehen sie aus?
Dazu mehr im nächsten Teil dieser Miniserie.


Oktober 28, 2009 














Und deshalb noch eine Frage zum Erlebten: Deine Beschreibung der “langsamen” Carotisstenose trifft auf meine Oma genau zu; das hat sich über Jahre hingezogen (zuletzt je 70-80%). Vor ihrer Herz-OP (mehrere Bypässe, Ersatz einer Herzklappe) wurde jedoch die Carotisstenose einseitig operiert; dies sei Bedingung für den folgenden Eingriff. Diese Infos habe ich nur über ein bis zwei Ecken, daher konnte ich nicht nachfragen; aber mir leuchtet nicht ein, wieso die erste OP notwendig war — einseitig. Auf der andere Seite sieht’s ja nicht viel besser aus, müsste das dann nicht auch ein Problem sein? Hast du von Ferne eine Erklärung? Danke!
mööp — beim Captcha-Kampf ist mir irgendwie ein Stück Kommentar abhanden gekommen… Also: Zunächst stand da eine allgemeine Lobhudelei sowie die Feststellung, dass du gerade für mich (via meine Oma) aktuelle Ereignisse abhandelst. Bitte einfach dazudenken
.
Etwas verzögert heute der Versuch einer Antwort aus der Ferne:
1. Variante: Deine Oma hatte möglicherweise Symptome, die sich auf die der Operation gegenüberliegenden Seite des Gehirns beziehen ließen. Dann gäbe es tatsächlich das erhöhte Risiko eines Schlaganfalls unter der großen OP am Herzen
2. Variante: Deine Oma hatte keinerlei Symptome einer Gehirndurchblutungsstörungen, dann hat man möglicherweise nach veralteten Kriterien operiert. Allerdings muss man den Operateuren zugestehen, dass sie auch nur Menschen sind. Angesichts der Mammut-OP am Herzen, haben sie möglicherweise gegen alle Statistik kalte Füße bekommen. In diesem Falle wäre allerdings die einseitige Sanierung unverständlich.
Ich hoffe, dass hilft dir ein bisschen weiter
Gruß
Der andere Hausarzt
PS: Schade, dass ich mir die Lobhudelei denken muss :=)
Dankeschön! *knicks*
Dann quetsch ich die liebe Verwandschaft mal aus, ob Variante 1 zutrifft (mir ist nix bekannt).
Und nun folgt eine Minilobhudelei: Netter Schreibstil, für mich nachvollziehbare Erklärungen und Logik (z.B. bezüglich “wer fängt mit aufhören an”), und ich liebe Dr. Kunze (aber nur so ganz platonisch).
Gruss,
Anna
Man darf gespannt sein auf Teil 2.