Korruption ganz unverblümt

Die elektronische Gesundheitskarte und kein Ende
Folgende Meldung erreicht mich gerade über den News-Ticker von www.hausarzt.de, einer Nachrichtenseite für Hausärzte:
    „Die Krankenkassen in NRW locken Ärzte mit Prämien, wenn sie sich bestimmte Lesegeräte für die elektronische Gesundheitskarte anschaffen. Das ist ein klarer Versuch, Ärzte zu korrumpieren“, warnt Wieland Dietrich für die Organisation „AG Ärzte für Datenschutz in NRW“. Die Organisation erstattet jetzt Anzeige wegen versuchter Bestechung und Untreue durch illegale Verwendung von Kassenbeiträgen.
     
Wenn gar nichts mehr geht, Korruption geht immer. Nach diesem Motto wird nach Kräften geschmiert. Im Zweifel haben genau die Krankenkassen-Manager den obengenannten Deal in die Wege geleitet, die bei der unerlaubten Ärzte-Prämie für Krankenhauseinweisungen am lautesten geschrien haben.
Übrigens, nur ganz nebenbei, fällt mir das Thema Rabattverträge dabei ein. Da sitzen Pharmaindustrie und Vertreter einzelner Krankenkassen beisammen und handeln Verträge über Medikamentenpreise aus. AOK mit Hexal, BEK mit ratio, DAK mit Bayer usw. (jegliche Ähnlichkeit mit realen Rabattverträgen wäre rein zufällig).
Kennen Sie die Devise des Hosenbandordens? Ja? Die fällt mir irgendwie dabei ein. Ich weiß auch nicht, wie das kommt.
Honi soit qui mal y pense!

 

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7 Responses to “Korruption ganz unverblümt”

  1. Naja, dann ist die ganze Republik korrupt. Rabattangebote und Kundenbindung über “Kundenkarten” oder ähnliche Kundenbindungsprogramme sind ja so weit verbreitet, dass man das den Kassen eigentlich schon nicht mehr zum Vorwurf machen kann.

  2. Am lautesten nach so einer Regelung geschriehen habe die KVen im Einzugsgebiet, also die Vertreter der finanziellen Interessen der Ärzteschaft. Das sind übrigens die, die sich den Löwenanteil aus den Kassen der Kassen holen, mal so und mal so.

  3. @Utta: Dann wäre es ja egal, wenn wir Ärzte für gezielte Krankenhauseinweisungen Geld nähmen, für weit entfernte Hausbesuche eine kleine Extrazulage, nebenbei Nahrungsergänzungsmittel verkaufen und, und, und
    @Wolf: Das macht die Sache keineswegs besser,

    der andere Hausarzt

  4. Das war auch erst mal nur als Nachricht gedacht. Ich finde das übrigens als Versicherter völlig in Ordnung: es gibt interessierte Kreise, die gerne weiter die Kassenzulassung als Blankoscheck missbrauchen wollen. Die haben Angst vor der mit der Gesundheitskarte (irgendwann einmal) herzustellenden Transparenz, denn dann fliegen sie auf. Ein paar Naive denken an Datenschutz, dabei wird diese Karte nichts erheben, was nicht bereits erhoben wird. Nach Meinung des Datenschützers Schleswig-Holstein ist sie ein Beitrag zum Datenschutz, weil erstmals (das kann Ärzten natürlich egal sein) Patienten Mitsprache beim Zugriff auf ihre Daten bekommen. Der Gebrauch des Wortes korrumpieren oder gar Korruption ist also nur eine weitere Vergewaltigung der Sprache und damit einhergehend eine Entwertung des Worts wenn es wirklich mal angebracht ist.

  5. @Wolf: Korruption ist Missbrauch einer Vertrauensstellung, deswegen bleibe ich bei dem Begriff, der in unserer Gesellschaft eher unterstrapaziert ist und oft genug als Lobbyismus verniedlicht wird.
    In anderen Gesellschaften ginge es um Bakschisch o.ä. und ist so halb und halb etabliert, bevorzugt aber die, die Bakschisch geben können.
    Wenn ich das richtig sehe, schreiben Sie nicht nur als Versicherter, sondern auch als Versicherer oder als für Versicherer tätiger, was grundsätzlich nichts Schändliches ist, aber erwähnen könnte man es ja. Bei mir ist jedenfalls ganz klar, dass ich als Hausarzt arbeite, mit all meinen Schwächen und denen des Berufsstandes.
    Gruß
    Der andere Hausarzt

  6. Sie sollten sich informieren bevor sie diffamieren (versuchen).

  7. Von Diffamierung kann meiner Meinung nach keine Rede sein, jedenfalls wollte ich es nicht so verstanden wissen.
    Allenfalls, wenn man wieder auf den eigentlichen Artikel zurückkommt, gestehe ich zu, dass in solchen Verhandlungen ein Geschäckle aufkommt, und zwar auf beiden Seiten, was ich aber nicht beweisen kann. Das äußere ich inzwischen, nach 25 Jahren Arztsein.

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