Die Heilkraft der Bewegung 12

Warum sollen wir uns bewegen? Teil 7 Das Gehirn
Inzwischen gilt es unter Fachleuten als gesicherte Erkenntnis, dass Bewegung und Sport einen positiven Einfluss auf unser Gehirn und unser Nervensystem haben. Gehirn und Nerven sind in der heutigen Ausgabe der Reihe Die Heilkraft der Bewegung im körperlichen Sinn angesprochen, also im Sinne von Nervenzellen, Schaltzentralen und Botenstoffen. Zum Thema Seele kommen wir im nächsten Artikel dieser Reihe.
Bis vor nicht allzu langer Zeit herrschte die allgemeine Lehrmeinung, dass dem Nervengewebe grundsätzlich die Fähigkeit zur Neubildung fehlt. Was zerstört ist, hieß es, ist unwiderruflich verloren. Inzwischen hat die Wissenschaft bewiesen, dass diese Auffassung falsch ist. Im Gegenteil, kaum ein Jahr vergeht, in dem es nicht neue Nachrichten aus der Neurologie, Neurobiologie, Neuropsychologie gibt, Spezialgebiete, die sich um den Aufbau und die Funktion unseres Gehirns kümmern. Die alte, starre Anschauung von der fehlenden Formbarkeit von Nervengewebe wurde dabei über den Haufen geworfen.

Die Erholung und Neubildung von Nervenzellen (Neuronen) ruht auf mehreren Säulen: Ernährung, Denktraining, soziale Kontakte und Sport. Laut Aussagen der Wissenschaft sind Bewegung und Sport die wichtigste Voraussetzung für die Regeneration von Nervenzellen. Bewegung ist wichtiger als Denkaufgaben zu lösen, Gedichte auswendig zu lernen, neue Sprachen einzuüben und soziale Kontakte zu pflegen. Nichts fördert die Neuentstehung von Nervengewebe mehr als Bewegung und Sport. Inzwischen weiß man, dass es hierfür verschiedene Gründe gibt:
1. das Nervengewebe wird durch körperliches Training besser durchblutet
2. die Zellteilung der Neuronen wird direkt gefördert
3. die Bildung spezieller Eiweiße(Neuroproteine) wird angeregt und
4. werden die Neurone durch Sport offenbar besser verschaltet (Synapsenbildung).
Die beste Vorsorge gegen Demenz ist also regelmäßiger Sport. Bleibt man darüber hinaus im Alter gesellig, ernährt sich gesund und ist bereit täglich ein wenig Gehirnjogging zu betreiben, bremst man den geistigen Abbau äußerst effektiv, besser als jede Pille es könnte.
Der amerikanische Hirnforscher Professor Eric Kandel, damals 76 Jahre alt, antwortete in einem Spiegel-Interview (Spiegel Spezial 4/2006 Bewegung ist alles) auf die Frage, ob er noch Sport treibe: “In der Mittagspause ziehe ich in einem Schwimmbad auf unserem Campus [Universitätsgelände, Anm. d. Verfasser] meine Bahnen, zu Hause trainiere ich auf meinem Laufband. Außerdem spiele ich Tennis, samstags Einzel, sonntags Doppel.”
Im weiteren Verlauf des Gesprächs berichtete der 76-jährige, dass er gerade einen neuen Lehrauftrag unterschrieben habe, sieben, acht Jahre wolle er noch forschen. Es sei ein Glück, dass man in Amerika nicht in den Ruhestand gezwungen werde.

In diesem Artikel fehlt die positive Wirkung des Sports auf die Botenstoffe (Neurotransmitter) in unserem Gehirn. Dieser Teil wird bewusst im nächsten Artikel Sport und Psyche behandelt.

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2 Responses to “Die Heilkraft der Bewegung 12”

  1. Ihre Ausführungen kann ich nur unterstützen! Für mich bedeutet der Ausdauersport nicht nur Anstrengung, sondern ebenso Entspannung. Der Kopf wird frei.

  2. Das Feld gehört ja tatsächlich zu den aufregendsten Forschungsergebnissen der letzten Jahre. Und dazu noch für jedermann praktisch anwendbar – ich werde also keine Gedichte mehr auswendig lernen, sondern lieber (weiterhin) in der Natur wandern. (Natürlich nicht ganz ernst gemeint, denn lernen und denken ist ja doch auch wichtig, geht übrigens in Bewegung sehr viel besser; die Philosophenschule der Peripatetiker hat’s auch schon gewusst …)

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