25
Jul

Wann ist ein Blutdruck zu hoch? Teil 2

categories Heute in der Sprechstunde    

Im Kommentar zum ersten Teil dieses Artikels (2.7.08) kam die Frage auf, wie ein Blutdruck überhaupt ermittelt wird. Diese Frage ist für Patient und Hausarzt so wichtig, dass ich dazu ausführlich in Form eines Artikels Stellung nehme.
1. ist es richtig, dass heutzutage dem Pulsdruck (Differenz zwischen erstem und zweitem Blutdruckwert) eine immer größere Bedeutung beigemessen wird. Also, im Gegensatz zur früher vorherrschenden Meinung ist ein Blutdruck von 150/115 besser als ein Wert von 160/80.
2. hilft dies noch nicht bei der Entscheidung, wann ein Blutdruck zu hoch ist und in welcher Situation er gemessen sein muss. Denn eines ist klar, ein ein- oder mehrmals beim Arzt ermittelter Blutdruckwert kann nicht ernsthaft Grundlage einer möglicherweise langjährigen Medikamententherapie sein (Weißkittelhochdruck!).
Folgende Kriterien helfen mir bei der Entscheidung - Therapie ja oder nein:
1. Muss ein Blutdruck erstmal überhaupt auffällig werden. (Eigenmessung, Messung beim Arzt im Routinecheck, bei der Blutspende, in der Apotheke usw.)
2. Wiederholte Messung
3. Bei erhöhtem Wert (je nach Alter ab 140/100) Aufforderung zur morgendlichen Eigenkontrolle. Falls diese nicht möglich ist, geht es ohne 3. bei 4. weiter.
4. Belastungstest in Form eines Belastungs-EKG’s, wobei gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden, weil der Rhythmus und die Durchblutungssituation des Herzens mit überprüft werden können.
5. Erhärtet sich der Verdacht eines zu hohen Blutdrucks, ist die 24-Stunden-Messung ein hervorragendes diagnostisches Mittel und eine sehr gute Entscheidungshilfe. Hierbei wird ein möglichst normaler Tag mit einer liegenden Blutdruckmanschette und einem Aufzeichnungsgerät verbracht. Der Patient protokolliert besondere Anstrengungen, hitzige Diskussionen oder Ruhephasen, darüber hinaus werden die nächtlichen Werte aufgezeichnet (was etwas lästig sein kann).
Daraus ergeben sich folgende Schlüsse:
a) der Blutdruck ist gar nicht zu hoch
b) der Blutdruck liefert zwar Spitzen bis 200 und höher, die aber der Situation entsprechend sind und schnell wieder absacken
c) der Tagesmittelwert könnte zwar etwas niedriger sein, aber die Nachtabsenkung ist ideal.
Diese drei Ergebnisse würden bei mir allenfalls zu einer Beratung aber zu keiner Therapie führen.

Falls es aber zur Diagnose eines Hochdrucks kommt, bleiben wiederum viele Varianten, was die Therapie betrifft. Hierzu wird es einen 3. Teil in dieser Miniserie geben.

Kommentare

Diesen Beitrag kommentieren