Die Heilkraft der Bewegung 09
Warum sollen wir uns bewegen? Teil 4 Venen und Haargefäße (Kapillare)
Venen sind diejenigen Gefäße, die das Blut zum Herzen hin transportieren. Im großen Kreislauf befördern sie sauerstoffarmes Blut und im kleinen Kreislauf, dem Lungenkreislauf, sauerstoffreiches Blut. Der Blutrückfluss zum Herzen geschieht im Gegensatz zu den Schlagadern passiv – durch äußeren Druck.
Beispiel: Sie stehen auf der Stelle und in den Unterschenkelvenen „wartet“ Ihr sauerstoffarmes Blut auf den Rücktransport zum Herzen, um von dort in die Lunge transportiert zu werden. Wenn Sie sich jetzt auf die Zehenspitzen stellen, werden die Venen durch die Anspannung der Unterschenkelmuskulatur zusammengepresst und die Blutsäule „wandert“ ein Stück weiter Richtung Herz. Dafür, dass es immer in die richtige Richtung geht, sorgen die Venenklappen. Sie funktionieren als Ventile, die den Blutstrom nur in Richtung Herz zulassen. Dieser Mechanismus ist der Grund, warum Bewegung für einen ordentlichen Blutfluss in den Venen so wichtig ist. Venen besitzen selbst kaum Muskelgewebe und sind deswegen auf diesen passiven Transport angewiesen. Jede Bewegung, jeder Sport bedeutet aktive Unterstützung dieses Kreislaufabschnitts. Passive Unterstützung kann äußere Kompression bieten, zum Beispiel durch entsprechende Strümpfe oder Strumpfhosen, die einerseits eine übermäßige Ausweitung der Venen verhindern und damit ein Austreten von Wasser ins umliegende Gewebe, andererseits durch die Stricktechnik (unten fester als oben) die Blutflussrichtung vorgeben. Eine zweite Möglichkeit der äußeren Kompression ist der Aufenthalt im Wasser. Hier wirkt der Wasserdruck als Kompression. Dies ist der Grund, warum wir manchmal, kaum ins Schwimmbecken gestiegen, wieder heraus müssen, um auf die Toilette zu gehen. Das Blut wird durch die äußere Kompression des Wassers im Kreislauf vorangebracht und erreicht schließlich die Nieren, dort wird dann die Spülleistung erhöht.
Haargefäße (Kapillare)
Der Laie hat sich sicher schon oft gefragt: Wie kommt eigentlich das Blut von den Schlagadern zu den Venen?
Die Schlagadern bringen sauerstoffreiches Blut in die entferntesten Ecken des Körpers, dafür zweigen sie sich immer weiter auf. Ist die Hauptschlagader (Aorta)noch ein Gefäß mit 15 bis 25 mm Durchmesser, müssen sich Blutzellen später in den feinsten Aufzweigungen im „Gänsemarsch“ aufreihen, weil die lichte Weite der Schlagadern auf einen mikroskopischen Bereich sinkt. So gelangen Blutbestandteile, incl. Sauerstoff auf die Ebene der Zellen, wo sie schließlich gebraucht werden. Die winzigen Adern nennt man Haargefäße oder Kapillaren, auf Seiten der Schlagadern (Arterien) heißen sie Arteriolen, auf Seiten der Venen – Venolen. In den Venolen sammelt sich gleichsam einer Quelle in einem Moorgebiet das verbrauchte Blut (sauerstoffarm, nährstoffarm, schlackenreich), dass sich in immer größer werdenden Bächen sammelt, zu kleinen Flüssen wird und schließlich über den mächtigen Strom der oberen und untern Hohlvene in den rechten Vorhof des Herzens münden. Allerdings hinkt der Vergleich mit den Flüssen der Erde. Den im Gegensatz zu ihnen muss das venöse Blut ganz ohne eigene Flusskraft und Strömung auskommen. Alles geschieht über den passiven Druck von außen, wie oben bei dem Thema Venen beschrieben. Es ist logisch, dass unsere Aktivität auch im mikroskopischen Bereich für einen guten Fluss sorgt. Darüber hinaus ist eine gute Flüssigkeitszufuhr für die kapillare Ebene wichtig, sonst kommt es zum sogenannten Sludge-Phänomen, eine Art Schlammbildung in den Haargefäßen mit zähem Fluss und Gefahr der Mikrothrombosen.


Juli 19, 2008 














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