Apropos Hausarzt.
Dieses Weblog kann selbstverständlich nicht die Funktion eines Hausarztes übernehmen. Deswegen der Rat, kümmern Sie sich um Ihren Hausarzt, pflegen Sie ihn und vor allem fragen Sie ihn.
Ihre Fragen helfen Ihnen und ihm. Dies zu erklären wird einige Artikel in dieser Rubrik bedürfen. Beginnen wir zunächst damit, wie Ihrem Hausarzt Ihre Fragen helfen.
Ein Hausarzt fühlt sich heute immer mehr als Erfüllungsgehilfe seiner eigenen Organisation (Kassenärztliche Vereinigung), der Krankenkassen, der Rentenversicherer, des Versorgungsamtes, verschiedener privater Versicherer, seiner fachärztlichen Kollegen, seiner Kollegen im Krankenhaus und seiner Patienten.
Warum das so ist, darauf gehen wir später ein. Gehen wir aber erst einmal davon aus, dass meine zwanzig Jahre Erfahrung in eigener Praxis eine gute Bewertungsgrundlage sind. Und denken Sie daran, Sie wollen das Folgende lesen, damit Sie erfahren, wie Sie sich einen Arzt Ihres Vertrauens schmieden, der sich in wichtigen Zeiten um Sie kümmert.
Stellen Sie sich folgende Situation vor: Ein Neurochirurg (Chirurg für Gehirn und Rückenmarkserkrankungen) hat mit Hilfe eines Radiologen (Röntgenarzt) herausgefunden, dass Sie unter einem Bandscheibenvorfall leiden. Der Radiologe hat Ihnen auf dem Vorwege eröffnet, er könne das Übel wegspritzen, der Neurochirurg will den Vorfall operativ entfernen, Ihr bester Freund schwört auf Krankengymnastik und beim Einkaufen treffen Sie jemanden, der genau Ihr Problem ein Jahr zuvor mit Kinesiologie und Akupunktur in den Griff bekommen hat. Ihr Onkel schwört auf Chiropraktik, Ihre Tante auf Homöopathie und das Gelbe Blatt auf ganz neue Pillen aus Amerika. Sie sind verzweifelt und wissen nicht, was Sie tun sollen. Das Problem und Ihre Schmerzen ziehen sich jetzt schon seit Wochen in die Länge. Sie rennen zu Ihrem Hausarzt.
Keine schlechte Idee, aber…
Sie sitzen im Sprechzimmer und die Frau oder der Mann, also Ihr Hausarzt, erkennt Sie kaum. Sie oder er (gemeint ist immer der Hausarzt ohne Geschlechtszuordnung) kann Sie nicht erkennen, weil er Sie nicht kennt. Warum? Seit vielen Quartalen tut er nicht mehr für Sie, als Wiederholungsrezepte und Überweisungen zu unterschreiben. Sie haben sich nie für seine Meinung interessiert, haben am Beginn eines jeden Quartals einen Stapel Überweisungsscheine abgeholt, mehr nicht. Jetzt sitzen Sie da und brauchen mal eine halbe Stunde Zeit. Übrigens eine Zeitspanne in der ein durchschnittlicher Hausarzt sieben bis acht Patienten versorgt, versorgen muss, damit der Laden läuft.
Überlegen Sie mal, was Ihr Hausarzt mit Ihrem bisherigen Fall zu tun hatte. Richtig, er hat eine Überweisung zum Orthopäden ausgestellt, vorn am Tresen, weil Sie es so wünschten, und er hat nicht nachgefragt, weil er genug zu tun hat. Ihren Weg über den Orthopäden zum Radiologen, zurück zum Orthopäden, zwischendurch zum Nephrologen, Gynäkologen, Urologen, Angiologen, hin zum Neurologen, Neurochirurgen, wieder zum Radiologen, zurück zum Neurologen, hin zu ihm, dem Hausarzt, hat er allenfalls postalisch verfolgt, anhand der Facharztberichte. Von Ihrem Gang zum Homöopathen und zum Kinesiologen weiß er gar nichts. Jetzt sitzen Sie da und brauchen plötzlich eine halbe Stunde Zeit oder mehr. Die hat Ihr Hausarzt nicht oder nur sehr ungern und innerlich gehetzt.
Fragen Sie Ihren Hausarzt vorher, ob Sie zum Orthopäden gehen sollen oder nicht. Vielleicht ist der Gang der Dinge derselbe, wie ohne seinen Rat, aber psychologisch ist es eine andere Situation für den Hausarzt, wenn er selbst den Gang der Dinge eingeleitet hat und immerhin geht es um Ihre Gesundheit.


Juni 23, 2008 














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