5
Mrz

Hartz IV macht nicht glücklich

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Viele meiner Artikel beruhen einzig auf der Erfahrung als Hausarzt. Die hausärztliche Sicht ist mir in diesem Fall ganz besonders wichtig. Ich betone das, weil ich kein Interesse daran habe, auf dieser Blogseite parteipolitische Meinungen breitzutreten oder ideologische Sträuße zu fechten. Es geht mir um die ärztliche Sicht zu diesem Thema. Wir Hausärzte haben, im Gegensatz zur Berufsgruppe der Politiker, jeden Tag Gelegenheit zu sehen, wie das Leben derjenigen läuft, die nicht zu den Begünstigten zählen.
Aus zweierlei Gründen:
1. Aus Gründen der Versorgung. Bei älteren, nicht mehr gesunden Arbeitslosen, die keine Aussicht mehr darauf haben, einen Arbeitsplatz zu finden, wird oftmals ausgelotet, welcher Weg in die Existenzsicherung gangbar ist. In diesen Fällen stellt sich die Frage, ob nach Krankengeld und/oder Arbeitslosengeld, Hartz IV die Zukunft ist oder eine Form von Rente. Der Hausarzt spielt in diesen Entscheidungsprozessen eine Rolle.
2. Aus medizinischen Gründen. Weil es Menschen nicht glücklich und zufrieden macht, wenn sie von der letzten Unterstützung, die ihnen der Staat zu bieten hat, leben müssen. Hier geht es nicht in allererste Linie um die Höhe der Bezüge, sondern um die Tatsache, dass man ohne Hilfe des Staates nicht für sich und seine Familie sorgen kann. Wer nicht glücklich und zufrieden ist, wird er leichter krank und geht zum Hausarzt. moreweiterlesen…

28
Feb

Dr. Kunze hört (nicht) auf 20

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Februar 2010
Dr. Kunze ist krank
Hausarzt Dr. med. Anselm Kunze erwachte, noch bevor der Wecker klingelte. Sein Kopf schmerzte, er bekam keine Luft durch die Nase, und er fror. Es war halb sechs und noch eine knappe halbe Stunde, bis der Signalton erklang. Er stand auf. Er musste aufs Klo, brauchte eine Aspirin und etwas für die Nase. Im Badezimmer fand er die Tabletten auf Anhieb, aber das Nasenspray war nicht da. Anselm Kunze fluchte leise und versuchte eine Nasenspülung mit Leitungswasser. Aber es funktionierte nicht. Wie sollte er Wasser durch die Nase einziehen, wenn schon keine Luft durchging? Er ging zurück ins Schlafzimmer, legte sich wieder ins Bett und hoffte, dass die Medizin bald wirkte. Er atmete mit offenem Mund, er zitterte am ganzen Leib und seine Rachenschleimhaut trocknete aus. moreweiterlesen…

25
Feb

Dr. med. Kunze ist krank

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In der Februarausgabe der Kolumne “Dr. Kunze hört (nicht) auf” ist der Hausarzt krank. Der Leser erfährt, dass es für das Umfeld durchaus keine einfache Situation ist, wenn ein Arzt selbst krank wird.
Die Geschichte erscheint am 28. Februar 2010. Es wird die 20. Ausgabe in dieser Reihe sein. Dass Dr. med. Anselm Kunze ausgerechnet zu diesem kleinen Jubiläum erkrankt, spricht möglicherweise Bände. Sollte der Zeitpunkt gekommen sein, endlich eine Entscheidung zu treffen? Ich befürchte, es ist mit einem klaren Jein zu rechnen.

20
Feb

Krank durch Diagnose 4

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Teil 4 Ein Fazit
Im letzten Artikel dieser Reihe wurden die Gefahren einer Jagd nach der Diagnose anhand des Symptoms Schwindel ausführlich dargestellt. Der Schwindel stand dabei als Teil des Ganzen. Gefahren wurden aufgezeigt, die heutzutage möglicherweise größer sind als die Gefahren, die vom Symptom selbst ausgehen. Sehr selten steckt beispielsweise hinter dem Symptom Schwindel eine gefährliche Erkrankung, ebenso wenig wie hinter dem Symptom Rückenschmerz oder hinter dem Gefühl von allgemeiner Schwäche und anderes mehr. Hier kann nur ein Arzt mit Augenmaß helfen, der einerseits schwerwiegende Krankheiten nicht übersieht, andererseits der Natur eine Chance gibt, das Symptom von allein verschwinden zu lassen. Hierin lag meines Erachtens schon immer eine der wichtigsten Aufgaben des Hausarztes, und liegt sie besonders in diesen und in kommenden Zeiten. moreweiterlesen…

13
Feb

Krank durch Diagnose 3

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Teil 3 Ein ausführliches Beispiel
In heutigen Artikel soll die Odyssee von Patienten mit einer bestimmten Beschwerde durchgespielt werden. Ein Symptom als Beispiel für viele: Der Schwindel.
Schwindel ist ein typisches Beispiel dafür, wie ein Symptom (Krankheitszeichen) zur Diagnose wird. Schwindel ist als Gleichgewichtsdefekt nichts anderes als Schmerz, Fieber, Husten, Blähungen oder Verstopfung, also ein Symptom zu dem erst noch eine Diagnose gefunden werden muss. Die Frage lautet also: Liegt dem Schwindel ein Innenohrschaden zu Grunde, eine Blockade der Halswirbelsäule, eine Durchblutungsstörung des Kopfes, ein Gehirntumor oder, oder, oder?
Ist eine Diagnose zwingend erforderlich?
Muss man die Ursache des Schwindels wirklich erforschen? Schwindel ist ein gutes Beispiel dafür, wie Diagnosesicherung schaden kann, wie sich Ärzte die Zähne daran ausbeißen, sie verzweifeln und fühlen sich sogar in ihrer Ehre gekränkt. All das klingt gar nicht gut und geht meist zu Lasten des Patienten. moreweiterlesen…

8
Feb

Krank durch Diagnose 2

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Teil 2 Der Weg zur Diagnose
Im letzten Artikel wurde der Begriff Diagnose und der Weg dorthin erklärt. Der Ablauf im Patienten-Arzt-Verhältnis ist von der Struktur immer gleich:
Ein Mensch wird zum Patient und sucht in aller Regel seinen Hausarzt auf. Der Hausarzt stellt im ersten Schritt allgemeine und gezielte Fragen (Anamnese), dann untersucht er den Patienten. Diese Untersuchung reicht von einem Blick, bis hin zum Schreiben eines EKGs oder Abhorchen der Lunge per Stethoskop. Falls der Hausarzt zu keinem Ergebnis kommt, lässt er untersuchen. In diesem Fall werden Fachärzte und/oder Apparate zu Rate gezogen. Dieser letzte Schritt ist nicht zwingend, die ersten beiden Schritte so gut wie immer.
Detektivarbeit
Das Ermitteln einer Diagnose kann der schwierigste Teil einer Erkrankung sein, manchmal schwieriger als die anschließende Therapie. Zähes Ringen um eine Diagnose ist vergleichsweise selten, geschieht allerdings heutzutage häufiger als es nötig wäre. Dazu komme ich noch. moreweiterlesen…

2
Feb

Krank durch Diagnose 1

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Zugegeben, der Titel dieser neuen kleinen Artikelserie klingt paradox. Normalerweise gibt die ermittelte Diagnose vorhandenen Symptomen einen Namen, fasst also die Summe der Beschwerden zusammen und ordnet sie einer Krankheit zu. Der Name der Krankheit entspricht der Diagnose. Eine Diagnose ist also eher Folge und nicht Ursache von Krankheit. Fragt sich, warum der Titel trotzdem stimmen kann.
Teil 1 Die Diagnose
Sehen wir uns den Ablauf der Diagnosestellung an, wie sie beispielsweise beim Hausarzt typisch ist:
Am Anfang steht die Anamnese, die Befragung des Patienten hinsichtlich seiner Beschwerden und des Beschwerdeverlaufs. Es kann nötig sein, diesen Teil auszudehnen, beispielsweise auf länger zurückliegende Erkrankungen, auf Erkrankungen der Familie, auf die berufliche Situation und vieles andere mehr. moreweiterlesen…

28
Jan

Dr. Kunze hört (nicht) auf 19

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Januar 2010
Praxisalltag und Weltanschauung
Hausarzt Dr. Kunze ging im Verbandsraum einer seiner „Lieblingsbeschäftigungen“ nach: Er pulte einen Ohrstecker aus dem Ohrläppchen eines dreijährigen Mädchens. Das Kind brüllte wie am Spieß. Kein Wunder. Der rückwärtige Verschluss war vollkommen unter der Haut verschwunden. Entsprechend musste Dr. Kunze die eitrige Wunde mit der Pinzette ein wenig spreizen und gleichzeitig von vorn gegen das Ohrläppchen drücken. Christine hielt den Kopf und die Oberarme des Mädchens, die Mutter die Beine, so gut sie konnte.
Der Clip quoll aus dem Eiter hervor. Mit einer Fremdkörperzange zog der Arzt ihn ab. Danach ließ sich der Ohrstecker auf der Vorderseite aus dem Ohrläppchen ziehen. Es war geschafft. Das kleine Mädchen wollte weg von dem bösen Mann, in die Arme der Mutter. Die blickte ihrerseits nicht besonders freundlich. Mitfühlend streichelte sie über den Kopf ihres Kindes, drückte es an sich und flüsterte mit kaum verborgenem Vorwurf: moreweiterlesen…

25
Jan

Chronik eines angekündigten Freitodes 6

categories der Online-Hausarzt     comments 2 Kommentare

Nachtrag
Zehn Tage nachdem ich zum letzten Mal von Walter Gensch gehört hatte, erfuhr ich von seinem Tod. Auf dem kleinen Pult, auf dem ich Wiederholungsrezepte oder Überweisungen unterschreibe, haftete ein Klebezettel. Ich erkannte die Schrift einer meiner Helferinnen. Sie hatte ein Kreuz gezeichnet, ein Datum daneben geschrieben, das drei Tage zurücklag und den Namen von Walter Gensch notiert, in Klammern darunter stand: Tel. Tochter.
Das war‘s also, dachte ich. Die Tochter vermeldet den Tod ihres Vaters und lässt mir die Nachricht ausrichten. Ein wenig enttäuscht war ich schon. Ich weiß nicht, was ich erwartet hatte, aber sicher ein bisschen mehr als das. Eine Woche später bestand wohl auch auf der anderen Seite das Bedürfnis nach mehr.
Abschließendes Telefonat
Gut zwei Wochen nach dem organisierten Freitod meines Patienten erhielt ich einen Anruf von Monika Müller, geborene Gensch. Sie wollte mir etwas näher berichten, wie die letzten Tage mit ihrem Vater verlaufen waren. Mit trauriger Stimme vergewisserte sich die Frau am anderen Ende der Leitung, dass sie mich mit ihrem Anliegen nicht störte. moreweiterlesen…

21
Jan

Chronik eines angekündigten Freitodes 5

categories der Online-Hausarzt     comments 2 Kommentare

Das Ende
Bis zum Tag der  vorgesehenen Abreise war die Angelegenheit Freitod für Walter Gensch zu einem ausgewachsenen Verwaltungsakt geworden. Anträge mussten gestellt, ein lebenslaufartiger Aufsatz geschrieben, Überweisungen getätigt werden, neben meinen Bescheinigungen wurden psychiatrische Gutachten angefordert. Mehrfach war die Rede davon, dass sich die Schweizer Firma gegenüber der Schweizer Regierung und der Öffentlichkeit absichern müsste. Manchmal fragte ich mich, wer die größeren Probleme hatte, der Sterbewillige oder die Sterbehelfer. Mit Pietät hatte das meiner Meinung nach wenig zu tun.
Gesundheitliche Sorgen
Die Abreise in die Schweiz wurde schließlich wegen einer Erkältung des Patienten verschoben. Husten, Fieber und Kopfschmerz machten den Patienten reiseunfähig. Tochter Monika, inzwischen als Begleitung angereist, machte sich Sorgen um ihren Vater. Sie befürchtete eine Lungenentzündung und bat um einen Hausbesuch. „Befürchten“ empfand ich in diesem Zusammenhang als eine eher skurrile Wortwahl, spiegelt andererseits die Unsicherheit. Eine Lungenentzündung hätte eine Chance auf passive Sterbehilfe geboten, aber dazu schwieg ich. moreweiterlesen…

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