30
Aug

Lebensphilosophie in den Bergen

categories Aktuelles     comments 3 Kommentare

Eine Woche Alpenwanderung von Hütte zu Hütte ist allein durch Verzicht auf mediale Kommunikation erholsam. Kein Telefon, kein Computer, kein Fernsehen, kein Radio, kein Internet - also auch kein Blog.
Selbst eine Uhr ist verzichtbar. Wenn die Sonne aufgeht, wird aufgestanden, und wenn es dunkel wird, ist es Zeit für das Abendessen. Wenig später schaltet der Hüttenwirt (resp. die Wirtin) den Solarstrom ab, damit er nicht knapp wird für wichtigere Dinge. Die Stirnlampen gehen an für den Gang auf die Toilette, und um das Lager zu finden.
Morgens gibt`s Frühstück. Zwei Scheiben Brot, ein Stück Butter und Marmelade, dazu stehen Kaffee oder Tee in der Küche - zum Abholen. Bedienung hinten und vorne gibt es nicht auf der Hütte. Der Tourist schaut in der Küche nach, ob er nichts vergessen hat „zuam hole“. Aber da steht nichts mehr. Der Wirt in seiner speckigen Krachledernen lauert hinterm Holzbalken, zieht dem Touri an der Hose und fragt:
„Wos wüstn no ois hoam?“
Ja, was will man noch alles haben? Ist doch genug. Schlichtes Leben, Berge, Natur, Ruhe.
Ein anderer Touri braucht Licht zum Frühstück. Er zieht am Band neben der Glühbirne - nichts. Er fragt den Wirt, ob der Strom eingeschaltet werden kann, er möchte die Wanderkarte studieren.
„Wannst dahoam bist, konnst‘es mit doanem Atomstrom wieda blitzhell moche. Hier wird gspoart.“
Zack. Die nächste Weisheit. Schlicht, treffend. Dein Zuviel an Stromverbrauch aus dubioser Quelle, so etwas gibt es hier in den Bergen nicht. Nebenan wird stumm der Mp3-Player weggesteckt. Gerade hatte man noch fragen wollen, ob man den vielleicht irgendwo aufladen könnte. Zu Hause wieder - mit Atomstrom.

24
Aug

Der lange Weg eines Nierensteins 8/8

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Beim Hausarzt
Als Herr M. vor mir sitzt, muss er vor allem erstmal seine Geschichte loswerden. Während seines Berichts stehen ihm die wechselnde Gefühle von Wut, Verzweiflung und Machtlosigkeit im Gesicht geschrieben. Mit Fünf-Minuten-Medizin ist hier gar nichts zu machen.
Danach beratschlagen wir gemeinsam, was zu tun ist. Beschwerden hat der Patient zur Zeit keine. Wir einigen uns auf eine Kontrolle des Befundes per Ultraschall, Blut-und Urinanalyse. Das sind wenig eingreifende Maßnahmen und oft eine gute Taktik für eine hausärztliche Beobachtung. Grundsätzlich gilt, dass der Körper die meisten Befindlichkeitsstörungen und Krankheiten selbst in den Griff bekommt. Nur bei den schweren, bedeutenden Krankheiten sollte/muss/darf der Arzt mit einschneidenden Maßnahmen eingreifen. Diese besonderen Krankheiten sind seltener als Patienten und Ärzte denken. Es gilt die alte Weisheit, das Seltene ist Selten. Die Kunst eines Hausarztes ist es, die Kolibris zwischen den vielen Spatzen und Meisen zu entdecken.
Ich verabschiede den Patienten. In der Tür stehend, bitte ich ihn, ein Gedächtnisprotokoll seiner Odyssee zu schreiben, mit möglichst allen Einzelheiten.
„Das können Sie haben, gerne sogar.“
Dieses Protokoll ist natürlich für www.der-andere-Hausarzt.de gedacht, trotzdem hilft es nicht nur mir. Der Patient ist beim nächsten Termin regelrecht erleichtert, weil er sich mal alles von der Seele schreiben konnte. moreweiterlesen…

20
Aug

Hausarzt Dr. Kunze in Buchform erschienen

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Vorerst als E-Book
Mitte August sind die Geschichten um Hausarzt Dr. med. Anselm Kunze in Buchform erschienen. Zunächst stehen die Kolumnen von www.der-andere-Hausarzt.de als E-Book zum Download zur Verfügung.
Wenn Sie hier klicken, landen Sie auf DocCheck Load und können Hausarzt Dr. Kunze hört (nicht) auf anklicken. Sie erhalten dann eine Kapitelübersicht. Der Klappentext und die Inhaltsangabe stehen zum kostenlosen Download zur Verfügung. Das erworbene Buch (oder einzelne Kapitel) kann man dann entweder auf dem Computer lesen oder sich auf Papier ausdrucken.
DocCheck.de ist eine seriöse, europaweite Website, die eine große Auswahl an medizinischen Themen bietet, sowohl für Fachleute als auch für Laien. Die Rubriken reichen von Diskussionsforen, über ein umfangreiches Medizinlexikon, bis zu digitalen Zeitschriften. Darüber hinaus existiert eine eigene DocCheck-Blogosphäre.
Die Unterabteilung Load bietet eine umfangreiche elektronische Literaturauswahl zum Herunterladen, neuerdings mit den gesammelten Kolumnen um Hausarzt Dr. Kunze.
Erfolgreiche Zusammenarbeit
Seit Anfang des Jahres betreibt www.der-andere-Hausarzt.de eine Art „Blogfiliale“ auf der DocCheck-Website. Diese Zusammenarbeit hat sich sehr erfolgreich entwickelt. Gleich zu Beginn konnte www.der-andere-Hausarzt.de den 3. Platz bei den DocCheck Blog-Awards belegen. Seitdem führt der Hausarzt-Blog dauerhaft die Rangliste der beliebtesten Blogs an, mit bis zu über tausend Lesern pro Artikel.
Durch diese Zusammenarbeit kam es, dass der Verlag Leben&Schreiben erstmals ein E-Book veröffentlicht. Elektronisch geht alles ein bisschen schneller, deswegen gibt es Hausarzt Dr. Kunze hört (nicht) auf in digitaler Form bereits drei Monate vor dem Erscheinen des Taschenbuches am 12. November 2010.
Beide Versionen kosten 12,- Euro, wobei in digitaler Fassung die Möglichkeit besteht, einzelne Geschichten zu erwerben. Jede Kolumne, die man sich mit persönlichem Eigentumsvermerk downloadet, kostet 99 Cents.

Sonderaktion: Wer bis zum 11. November 2010 einen 10-Euroschein an den Verlag Leben&Schreiben, Am Rießel 12, 29549 Bad Bevensen schickt (Absender nicht vergessen), bekommt das Buch Hausarzt Dr. Kunze hört (nicht) auf sofort nach Erscheinen versandkostenfrei zugesendet und spart dabei. 

Zum Download

16
Aug

Der lange Weg eines Nierensteins 7/8

categories Der besondere Fall     comments Diesen Beitrag kommentieren

Im Ultraschallraum
Was Herr M. bis zu diesem Zeitpunkt zu wenig an Zuwendung widerfahren ist, wird im Ultraschallraum übertrieben. Die Untersuchung läuft dreimal ab, in unterschiedlicher Intensität, leider auch mit unterschiedlichen Ergebnissen.
Befund Nr. 1 - Nierenstein rechts
Befund Nr. 2 - keine Steine zu erkennen
Befund Nr. 3 - Harnleiterstein links
Wir befinden uns in einer fachurologischen Abteilung und glauben Sie nicht schon wieder, ich übertreibe.
Es fügt sich, dass der dritte Untersucher jemand ist, der das Problem erkennt, der die richtige Seite trifft und der als erster Arzt überhaupt, Herrn M. begrüßt und sich mit Namen vorstellt. Die Unhöflichkeiten vorher gingen durch alle Nationalitäten. Es ist im übrigen nicht nur eine Unhöflichkeit, wenn man als Arzt nicht grüßt und sich nicht vorstellt. Es ist die verspielte Einstieg in ein Vertrauensverhältnis. Der alte Spruch stimmt in diesem Fall uneingeschränkt: Es gibt keine zweite Chance für einen ersten Eindruck.
Die Therapie
Um die kommenden Tage etwas zusammenzufassen, sei an dieser Stelle gesagt, dass dem Stein schließlich mit der Schlinge zu Leibe gerückt werden musste. Kein Medikament, alles Urinsieben hat nichts genützt, der Stein wollte sich nicht lösen. moreweiterlesen…

12
Aug

Der lange Weg eines Nierensteins 6/8

categories Der besondere Fall     comments 4 Kommentare

Die nächste Attacke
Fast eine Woche verdrängt Herr M. sein Problem vom Sonntag. Es geht ihm fast gut. Vielleicht hat sich die Diagnose Nierenstein von selbst erledigt. Aber es ist wie mit Zahnschmerzen, die von selbst verschwinden und von denen man hofft, man muss nichts unternehmen. Sie kommen wieder - nachts oder am Wochenende. Herrn M.‘s Schmerzen kamen ebenfalls wieder, und wenn es ging, noch heftiger als zuvor - am Wochenende.
Es ist Samstagnachmittag. Er trinkt ein Bier mit dem Nachbarn über den Zaun hinweg, als er plötzlich im Schmerz einknickt und seine Gesichtsfarbe verliert. Sein Nachbar klettert über den Zaun und seine Frau hat den Aufschrei gehört. Sie hat es gleich gesagt, dass das nicht gut geht. Sie ruft den Hausarzt an, das bin ich. Aber der ist nicht erreichbar, weil einen Wochenendausflug macht. Dann eben der hausärztliche Notdienst.
Das besondere Telefonat
Das Fazit des Telefonats ist schnell gezogen: Der diensthabende Hausarzt hat keine Sprechstunde mehr, kommt aber auch nicht raus. Seine Logik ist bestechend: Entweder der Kranke ist so krank, dass er ins Krankenhaus muss, oder es ist nicht so schlimm, dann hat es auch Zeit bis nach dem Wochenende. Selbst die Verdachtsdiagnose Nierenstein kann ihn nicht erweichen. Es bleibt bei seiner Alternative. Immerhin ist er bereit, den Krankentransport anzurufen, Frau M. aber nicht vergessen, nach dem Wochenende zu ihm in die Praxis zu kommen, um die Versichertenkarte ihres Mannes einlesen zu lassen.
Einschub
Sicher gibt es auch ganz andere Hausärzte und Krankenhausärzte als die, auf die Herr M. getroffen ist. Er hatte Pech. Andererseits ist fehlende Zugewandtheit in der modernen Medizin ein nicht zu unterschätzendes Problem.
Im Krankenhaus, dritter Akt
„Haben Schmerzen?“
Herr M. fährt zusammen. Er hat über eine Stunde im Aufnahmeraum gelegen und ist eingenickt. Das Brüllen aus dem Nichts war eine Frage. Bevor er antworten kann, meldet sich der Arzt fremdländischen Einschlags wieder.
„Haben Schmerzen oder nix Schmerzen?“
Herr M. tut, was er auch bei einem deutschen Arzt getan hätte, das hat nichts mit der Nationalität zu tun. Er erhebt sich leicht und sieht dem Arzt in die Augen.
„Guten Tag, mein Name ist M.. Ja, ich habe Schmerzen, sehr starke Schmerzen, hier in der Seite. Im Moment ist es auszuhalten.“
Der Mann verschwindet so grußlos wie er gekommen ist. Herr M. bleibt eine weitere Stunde allein.

8
Aug

Der lange Weg eines Nierensteins 5/8

categories Der besondere Fall     comments 3 Kommentare

Der erste Krankenhausaufenthalt, Fortsetzung
Als Herr M. sich von seinem Kollaps erholt hat, liegt er auf einer Trage, über ihm baumelt eine Infusionsflasche. Die nächste Schmerzwelle bahnt sich an. Man reicht ihm ein Schmerzmittel. Er wird in die Röntgenabteilung geschoben, Blut wird ihm abgenommen. Eine weitere Stunde später steht die Diagnose: Harnleiterstein links. Der Patient ist erleichtert, weil er glaubt, eine Diagnose führt zur Therapie (nicht ganz zu Unrecht). Aber dieser Tag ist nicht sein Glückstag:
„Herr M., Sie haben einen Nierenstein, links.“
Herr M. nickt ergeben.
„Da können wir leider nichts für Sie tun. Wir haben hier keine urologische Abteilung. Wir müssen Sie verlegen. Der Krankenwagen kommt gleich.“
Herr M. ist fassungslos. Er hat Schmerzen, der Grund ist klar, er liegt in einem Krankenhaus und man kann nichts für ihn tun. Er fürchtet sich vor der Fahrt mit dem Auto (ebenfalls nicht zu Unrecht, denn die Fahrt wird zum Höllenritt).
Einschub
Wenn der Leser an dieser Stelle glaubt, ich übertreibe, weil übertreiben anschaulich macht, dann muss ich den Leser enttäuschen. Im Gegenteil, ich habe mich bei Niederschrift dieses Artikels entschlossen, einige haarsträubende Einzelheiten wegzulassen, weil die Wirklichkeit nicht glaubhaft erscheint. Das passiert mir in letzter Zeit übrigens immer häufiger, immer wieder klingen Berichte aus Krankenhäusern unglaubwürdig haarsträubend - zumal aus gewinnorientierten.
Bleibt die Möglichkeit eines Kommunikationsproblems. Wir Ärzte kennen das, der Unterschied zwischen dem, was gesagt wird und dem, was beim Patienten ankommt, erinnert an das Kinderspiel „Stille Post“. Es erscheint unglaubwürdig, dass jemand zum Patienten M. gesagt hat, „wir können nichts für Sie tun.“ In diesem Fall ist der Wortlaut zu vernachlässigen, einzig das Ergebnis zählt. Herr M. wird tatsächlich verlegt.
Im nächsten Krankenhaus
Die Schmerzmittel, die man Herrn M. bis zu diesem Zeitpunkt gegeben hat, wirken unzureichend. Herr M. leidet. In der Urologie der Nachbarstadt verharrt er knapp zwei Stunden unbemerkt in der Aufnahmeabteilung. Die Krankenwagenfahrer haben ihn dort abgestellt, ein Krankenschwester hat seine Personalien aufgenommen und gesagt, dass gleich ein Arzt käme. Das Wörtchen “gleich” kennt Herr M. schon. Er hat Schmerzen, Durst und muss aufs Klo. (Ich muss den Leser an dieser Stelle enttäuschen, es kommt nicht zu der Pointe, dass es im Urinbecken klimpert.)
Der Patient erhebt sich, nimmt die Infusionsflasche und sucht in der Einsamkeit der Flure nach einer Toilette. Es geht ihm nicht schlecht, und er hat die Nase voll. Seit der ersten Schmerzattacke im Speisewagen sind acht Stunden vergangen.
Weiterhin unbehelligt von jeglicher medizinischer Betreuung kehrt er zu seiner Trage zurück. Er sieht sich um, entdeckt Kompressen und Pflaster und ist entschlossen zu gehen. Er stellt die Infusion ab, zieht die Nadel und versorgt sich selbst mit einem kleinen Verband. Das hat er mal im Fernsehen gesehen. Er nimmt seine Jacke, seine Reisetasche und verlässt das Krankenhaus.
Sein Verhalten ist verständlich, aber keine Lösung. Es ist mitten in der Nacht. Immerhin geht es sechs Tage gut. Von Sonntag bis Samstag.

(Wer als lesender Arzt an dieser Stelle den Kopf heftig über das Verhalten des Patienten schüttelt, sollte sich einmal selbst gedanklich in ein Wartezimmer versetzen - mit Termin oder als Notfall. Nach zehn Minuten würde man ungeduldig auf dem Stuhl herumrutschen, nach einer Viertelstunde begänne der Blutdruck zu steigen, nach zwanzig Minuten stünde man am Empfang und würde mehr oder weniger freundlich darauf aufmerksam machen, dass man ein Termin hätte oder ein Notfall sei. Im Falle des Patienten M., der zugegeben kein einfacher Mensch ist, ging es nicht um Minuten, es ging um Stunden, viele Stunden und um heftige Schmerzen.)

4
Aug

Der lange Weg eines Nierensteins 4/8

categories Der besondere Fall     comments 1 Kommentar

Im Speisewagen
Herr M. aus H. war auf dem Weg nach Hause, als er sich im Speisewagen des ICE nach Hannover Kaffee und Kuchen gönnte. Er bestellte sich eine zweite Tasse Kaffee und das Unheil nahm seinen Lauf. Er konnte nicht ahnen, dass es vielleicht die harntreibende Wirkung des Kaffees war, die seinem kleinen Stein im linken Nierenkelch ausgerechnet in diesem Moment einen fatalen Schwung gab. Er wusste nichts von diesem Stein und letztlich spielte es keine Rolle.
Der Nierenstein nahm seinen Weg Richtung Ausgang. Das eckige Kristall war zu klein, um sich einfach festzusetzen und zu groß, um problemlos ausgespült zu werden. Während Herrn M. seinen Kaffee trank, verkeilte sich der Stein im Harnleiter, also im Schlauch unterhalb des Trichters. Der Kristall war spitz und scharfkantig und rutschte Bruchteile von Millimetern, stoppte und rutschte.
Was so einfach klingt, löste eine Welle von Schmerzen aus. Aus heiterem Himmel krümmte sich Herr H., kalter Schweiß trat ihm auf die Stirn, er wurde blass und musste sich am Tisch festhalten. Jemand brachte ihm ein Glas Wasser und nach einer Weile wurde es etwas besser. Aber nur für einen kurzen Moment.
Die Odyssee beginnt
Auf dem Weg zurück in sein Abteil, überfallen Herrn M. weitere Schmerzattacken. Er wankt, weil er glaubt, seine linke Flanke zerreißt. Leute schütteln den Kopf und schimpfen, weil sie nicht verstehen, wie man sich im Zug so betrinken kann.
Herr M. erreicht sein Abteil und lässt sich auf die Sitze fallen. Nach qualvollen Wellen ist es nicht nur der Schmerz, der ihn plagt. Er hat Angst. Er weiß nicht, was mit ihm los ist. Die Diagnose Nierenstein ist noch nicht gestellt, und es wird auch noch ein bisschen dauern. moreweiterlesen…

31
Jul

Dr. Kunze hört (nicht) auf 24

categories Kolumne des Monats     comments 1 Kommentar

Juli 2010
Neue Zeiten
Hausarzt Dr. med. Anselm Kunze hörte seinen jungen Kollegen hinter dem Vorhang mit einer Patientin sprechen.
„Während Ihres Belastungs-EKGs sind Durchblutungsstörungen Ihrer Herzkranzgefäße oder Herzrhythmusstörungen nicht aufgefallen.“
Das Wörtchen nicht im Satz seines Assistenzarztes kam ein bisschen zu spät, um Schrecken zu vermeiden, dachte Dr. Kunze. Aber der Hausarzt mischte sich nicht ein.
„Allerdings steigt Ihr Blutdruck während der Belastung viel zu stark an und bleibt zu lange hoch.“
Dr. Carsten Limmer erklärte ohne Fremdwörter, freute sich Dr. Kunze.
„Das bedeutet, Sie brauchen ein Blutdruckmittel. Ich spreche mit Dr. Kunze. Sie können sich anziehen. Ich komme gleich wieder.“
Das waren kurze, klare Sätze. Lobenswert. Dr. med. Anselm Kunze huschte aus dem mit Vorhängen aufgeteilten Untersuchungsraum und bog ins Labor ein. Dort öffnete er den Kühlschrank und bereitete eine Impfung vor, die er für die kleine Lena brauchte. Ihm war klar, dass sich hinter dem Vorhang seine Patientin Nierlich auf dem Ergometer mehr oder weniger verzweifelt abgestrampelt hatte.
Christa Nierlich war achtundfünfzig Jahre alt, ihr erhöhter Blutdruck war ein paar Tage zuvor bei einem Check aufgefallen. Außerdem hatte die Frau über gelegentliches Stechen in der Brust geklagt. Deswegen hatte Dr. Kunze den Belastungstest empfohlen, der dem Jungarzt zugeteilt worden war. Auf diese Weise hatte Dr. Limmer etwas zu tun, zugleich wurde der Praxisinhaber entlastet. Jetzt saß Frau Nierlich vollkommen erschöpft auf dem Stuhl neben dem Standfahrrad und rang um Atem…

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Möchten Sie wissen, wie es mit Dr. med. Anselm Kunze weiter geht?

Hausarzt Dr. Kunze hört (nicht) auf - erscheint am 12. November 2010 als Taschenbuch im Verlag Leben&Schreiben zu einem Verkaufspreis von 12,- Euro.

Vorbestellen lohnt sich! Subskriptionspreis 10,- Euro

Wer bis zum 11. November 2010 einen 10-Euro-Schein an Leben&Schreiben, Am Rießel 12, 29549 Bad Bevensen einsendet, dem wird das Buch sofort nach Erscheinen kostenfrei zum Subskriptionspreis zugeschickt. Absender nicht vergessen!

Alles über Hausarzt Dr. Kunze als E-Book, siehe hier

29
Jul

Der lange Weg eines Nierensteins 3/8

categories Der besondere Fall     comments Diesen Beitrag kommentieren

Aktive Kräfte
Im Gegensatz zu Tülle und Schlauch sind Nierenbeckenausgang und Harnleiter in der Lage, den Weg des Urins und damit auch den Weg eines Nierensteins aktiv voranzutreiben. Diese peristaltische Kraft ist vergleichbar mit der unseres Darms. Wellenförmige Muskelbewegungen fördern den Inhalt des „Schlauches“ Richtung Ausgang.
Die Wand des Harnleiters ist mit sensiblen Schmerznerven versorgt, die äußerst empfindlich auf Überdehnung reagieren. Das ist gut so, denn der Schmerz ist in diesem Fall, wie so oft, ein Frühwarnsystem, das folgenschwere Schäden verhindern soll. Aber im Leid sieht man diesen Vorteil nicht als Vorteil, man leidet - höllisch.
Nierenkolik
Überdehnte Harnleiter, die zudem noch durch spitze, unförmige Kristallsteine geritzt werden, senden ein Maschinengewehrfeuer an Schmerz. Unaufhaltsam. Allenfalls mit kurzen Pausen, sozusagen als Anlauf für eine neue peristaltische Welle - die berüchtigte Kolik. Das geht so lange, bis die Situation bereinigt ist, intern oder extern, soll heißen, durch spontanen Steinabgang oder medizinischen Eingriff.
Gelangt der Stein auf natürlichem Weg in die Blase, hat der Schmerz ein Ende. Aber an dieser Stelle gibt es wieder mehrere Möglichkeiten, wie es weitergeht. Die Varianten reichen von der Entstehung eines Riesen-Blasensteins, sozusagen als Sammelobjekt, bis hin zum unkomplizierten Weg des Steins nach draußen. Dieser letzte Weg über die Harnröhre (nicht mehr Harnleiter) kann allerdings zu einer weiteren Schmerzattacke führen. Dass in diesem Fall die Männer mehr leiden als die Frauen, liegt ausnahmsweise nicht an ihrer Empfindlichkeit. Die Kürze des Weges von der Blase nach draußen macht es den Frauen leichter. moreweiterlesen…

26
Jul

Hausarzt Dr. Kunze arbeitet mit Assistenzarzt

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Ausgabe 24 der Kolumne erscheint am 31. Juli 2010.
Ausgabe 24! Seit 2 Jahren also begleitet Hausarzt Dr. med. Anselm Kunze die Leser. Mich selbstverständlich schon länger. Bevor ich mit den Geschichten an die Öffentlichkeit gegangen bin, hatte ich vierzehn bereits fertig geschrieben und Ideen für weitere sechs formuliert. So war ich sicher, dass ich nicht unter Druck kommen würde, wenn ich meine Vorgabe einer monatlichen Kolumne erfüllen wollte. Während die Veröffentlichungen auf meinem Blog liefen, konnte ich in aller Ruhe neue Kolumnen schreiben, bzw. bereits fertige Geschichten aktualisieren.
Für Hausarzt Dr. med. Anselm Kunze sind inzwischen neue Zeiten angebrochen. In seiner Praxis arbeitet jetzt ein Assistenzarzt mit. Was bedeutet das für den “alten Platzhirschen”? Wie denkt er darüber? Wie läuft der neue Praxisalltag?
Lesen Sie dazu die Kolumne Neue Zeiten ab dem 31.7.2010 hier auf
www.der-andere-Hausarzt.de

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